Joachim Camerarius (1500-1574) ist neben Erasmus der bedeutendste Philologe des 16. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum. Durch sein Oeuvre als Übersetzer, Herausgeber, Kommentator, Schulbuchverfasser und Dichter erweist er sich als Humanist, durch seinen "fast alle Wissenschaften umfassenden Gesichtskreis" (Friedrich Stählin) darf er als vielseitiger Fachgelehrter gelten. Der vorliegende Band vereint Beiträge zum Philologen und Polyhistor Camerarius, die bisher wenig erforschte Schriften zum Gegenstand haben und das individuelle Profil des Fachgelehrten als Herausgeber, Kommentator, Übersetzer, Kompilator und Beiträger fassbarer zu machen.
Die bisherige Camerarius-Forschung hat einerseits einen deutlich philologischen Schwerpunkt und hat es andererseits nicht vermocht, unterschiedliche Wissenschaftsgebiete, auf denen der Humanist tätig war, fruchtbar miteinander zu verknüpfen. In diese Lücke stößt der vorliegende Sammelband. Nicodemus Frischlin charakterisiert Camerarius in seiner Komödie Julius Redivivus (entstanden 1585) als "zweiten Varro, zweiten Theokrit, zweiten Polybius, als großen, erhabenen und gedankenreichen Redner sowie als gefälligen Dichter" (VV. 1265-1267). In diesem Elogium werden nicht nur einige Disziplinen des Universalgelehrten mit je einem herausragenden antiken Vertreter benannt, sondern es kommt auch die deutliche Prägung des Humanisten durch die Rhetorik zum Ausdruck. Er selbst hatte die Auffassung vertreten, das Sprachstudium helfe beim Verstehen aller Künste, Begriffe seien nicht zur Erklärung von Dingen da, sondern aus den Dingen deduktiv hergeleitet. Seine "rhetorische" Methode steht im Zentrum des Bandes.
1 Aktuelle Forschungsergebnisse zu einem der bedeutendsten Vertreter des Humanismus im 16. Jh. im deutschsprachigen Raum
2 Erschließung wenig erforschter Werke des Camerarius
3 International ausgewiesene Autoren
Thomas Baier
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