Eine Ausnahme vom steifen Einheitsstil stellt der hier vorgestellte Neubau der Landesversicherungsanstalt Schwaben in Augsburg dar, ein aufgelöster, raumgreifender Baukörper auf einer ehemaligen Industriebrache, der leicht und elegant in die freistehenden Räume auskragt, die als neuer Park dem umgebenden Wohnviertel zugute kommt.
Große Bürobauten - neben dem Wohnbau das am weitesten verbreitete und stadtbildprägende Element heutiger Architektur - werden inzwischen fast ausnahmslos in einem steifen Einheitsstil umgesetzt. Vorbildliche Bauten sind selten geworden.
Eine solche Ausnahme stellt der jetzt fertiggestellte Neubau der Landesversicherungsanstalt Schwaben in Augsburg dar. Die Berliner Architekten Hascher und Jehle nutzten ein außerordentlich schwieriges Grundstück im Nordosten der Innenstadt von Augsburg, um ein ehemaliges Gewerbegebiet neu zu ordnen und städtebaulich zu aktivieren: Aus einer Industriebrache wurde mit Hilfe des Neubaus für 1 300 Mitarbeiter ein eng miteinander verflochtenes Gebiet, das dem ganzen Stadtteil eine neue öffentliche Struktur einzieht.
Ein neuer Park wurde zur Anlaufstation für die umgebende Wohnbebauung. Die ungewöhnliche Bündelung öffentlicher Funktionen gelang den Architekten, weil sie Abstand nahmen von der "solitären Bauform", die die Architekturdiskussion der letzten Jahre beeinflusst hat. Stattdessen entstand ein aufgelöster, raumgreifender Baukörper, der leicht und elegant in die freistehenden Räume auskragt und der damit selbst zur Metapher für die städtebauliche Verknüpfung geworden ist.
Arnold Brückner
Architektur Bürogebäude/Verwaltungsgebäude Verwaltungsgebäude Versicherungsanstalt Industriebrache Architektur