Diskussionen über Methodologie und Methoden in der Frauen- und Geschlechterforschung können auf eine mehr als zwanzigjährige Entwicklungsgeschichte zurückgreifen. Als zentrale Erkenntnis dieser Diskurse gilt bis heute, dass Methoden keine neutralen Forschungsinstrumente sind, die unabhängig vom Untersuchungsgegenstand, dem sozialen Standort der Forschenden, ihren Interessen und theoretischen Vorannahmen Gültigkeit haben. Von daher stand das Verhältnis zwischen Erkenntnisinteresse und Methodenwahl sowie der (Selbst-) Reflexion der Forschenden von Anfang an im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Im vorliegenden Lehrbuch werden diese Debatten aufgegriffen und zentrale Entwicklungslinien methodologischer und methodischer Konzepte der Frauen- und Geschlechterforschung nachgezeichnet. Vorgestellt werden methodologische Erörterungen, konkrete empirische Studien und ihre methodischen Konzepte sowie jüngere Debatten über die Kategorie Geschlecht.
"Die Spuren von Männlichkeit in der Wissenschaft nachzuzeichnen ist ein subtiles Unternehmen. Denn Wissenschaft sieht sich nicht gern gesell schaftlichen Einflüssen verpflichtet, schon gar nicht jenen, die in ihr selbst nisten. Subtil aber auch, da wir als Wissenschaftsfrauen dazu ausgebildet wurden, schreibend, forschend, lehrend eben diese von Männern gepräg ten Inhalte und Methoden unserer Disziplin zu vermitteln. " (Hausen/ Nowotny (Hrsg. ): Wie männlich ist die Wissenschaft? FrankfurtJMain 1986, 10). Seit Karin Hausen und Helga Nowotny diesen Satz in der Einleitung zu ihrem Sammelband "Wie männlich ist die Wissenschaft?" geschrieben haben, sind fünfzehn Jahre vergangen. Das "subtile Unternehmen" hat sich seither entwik kelt, ausdifferenziert und seine Wirkung in allen Bereichen des Wissenschafts betriebs entfaltet. Die Frage nach der "Männlichkeit von Wissenschaft" ist zu nehmend in Diskussionen über Bedeutungsdimensionen von Geschlecht über setzt worden. Über die Komplexität dieser Kategorie wird intensiv geforscht und geschrieben - mehrheitlich von Frauen, die auf Lehrstühlen immer noch eine Minderheit darstellen. Die Frage nach der Bedeutung von Geschlecht für alle Bereiche der Gesellschaft, aber auch im Wissenschaftsbetrieb selbst ist also keinesfalls überholt. (vgl. hierzu Band I und Band 111 dieser Reihe) Die zunehmende Differenzierung der Frauen-und Geschlechterforschung ist nicht gleichzusetzen mit einer Überwindung aller Barrieren, wie sie bei Hausen und Nowotny im Begriff "subtil" anklingen. Das komplizierte Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaftspolitik, genauer gesagt zwischen wissenschaftlichen Deutungsangeboten und gesellschaftlichen Ungleichheits strukturen, ist bis heute Thema in den Debatten der Frauen-und Geschlech terforschung.
Diskussionen über Methodologie und Methoden in der Frauen- und Geschlechterforschung können auf eine mehr als zwanzigjährige Entwicklungsgeschichte zurückgreifen. Als zentrale Erkenntnis dieser Diskurse gilt bis heute, dass Methoden keine neutralen Forschungsinstrumente sind, die unabhängig vom Untersuchungsgegenstand, dem sozialen Standort der Forschenden, ihren Interessen und theoretischen Vorannahmen Gültigkeit haben. Von daher stand das Verhältnis zwischen Erkenntnisinteresse und Methodenwahl sowie der (Selbst-) Reflexion der Forschenden von Anfang an im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Im vorliegenden Lehrbuch werden diese Debatten aufgegriffen und zentrale Entwicklungslinien methodologischer und methodischer Konzepte der Frauen- und Geschlechterforschung nachgezeichnet. Vorgestellt werden methodologische Erörterungen, konkrete empirische Studien und ihre methodischen Konzepte sowie jüngere Debatten über die Kategorie Geschlecht.
Martina Althoff
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