HOWL: das war 1955 ein Schlag ins Gesicht der amerikanischen Nation, der amerikanischen Selbstzufriedenheit und Bigotterie. Waren die USA nicht gerade erst als Sieger aus dem 2. Weltkrieg hervorgegangen, hatten sie nicht das einzig wirksame Bollwerk gegen den Kommunismus errichtet? Und hier schrieb einer über Süchtige, Schwarze, Schwule, Visionäre und Engelssucher.
HOWL: das war ein Weckruf, der die kritischen, noch untergründigen, verborgenen Strömungen in der amerikanischen Gesellschaft der 50er Jahre aufwühlte: Hier war die Stimme, die für alle diejenigen sprach, die nicht einverstanden waren mit dem amerikanischen Kapitalismus und Militarismus, eine Stimme, die die andere Seite des amerikanischen Traums einforderte. „Ein neues Zeitalter hatte begonnen“ – so Diane di Prima in ihren Erinnerungen.
Zum 30. Jahrestag der ersten Publikation dieses einflussreichen Gedichts hat Allen Ginsberg den Text kommentiert, die verschiedenen Fassungen aufgeschlüsselt und poetische Einflüsse, biografische Hintergründe und zeitgeschichtliche Begleitumstände dargelegt. 80 Seiten Faksimiles, Fotografien, Kommentare, Briefe und der Abdruck poetischer Texte (von Shelley, Apollinaire, Majakowski, Lorca, Artaud u.a.) dokumentieren eindrucksvoll, dass HOWL viel mehr war und ist als nur ein „Protestgeheul“: Selten hat das 20. Jahrhundert seine emanzipatorische Stimme so kraft- und machtvoll erklingen lassen, und in seinem speziell für die deutsche Ausgabe geschriebenen Nachwort zeigt Rolf Schwendter auf, welche Spuren dies auch hierzulande hinterlassen hat.
Allen Ginsberg
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