Das reichhaltige Fundinventar aus der Lichtensteinhöhle erlaubt tiefe Einblicke in die Begräbnisrituale und die Glaubensvorstellungen der Höhlennutzer, wie sie bisher für diese Epoche kaum möglich waren. Erstmals ist es gelungen, für die Urnenfelderzeit Primärbestattungen vermutlich in Erdgräbern und Sekundärbestattungen in einer Höhle nachzuweisen.
Die Toten aus der Höhle: Was Knochenfunde und Grabbeigaben verraten
Eigentlich suchten sie den sagenhaften Fluchttunnel der Burg Lichtenstein bei Osterode am Harz. Was die Forscher tatsächlich entdeckten, war eine archäologische Sensation: die Lichtensteinhöhle, einer der herausragendsten bronzezeitlichen Fundplätze Deutschlands. Vor 3000 Jahren wurde die Höhle fest verschlossen. Eine Zeitkapsel, gefüllt mit Bronzeschmuck, Feuerstellen, Kultgegenständen und den Skeletten der ältesten bekannten Großfamilie.
Die DNA-Analyse führt zu heute lebenden Nachfahren prähistorischer Menschen
Über Generationen hinweg wurden vom Kleinkind bis zum Greis Angehörige jeden Alters in der Höhle bestattet - vor Wettereinflüssen und Grabstörungen geschützt. Die überdurchschnittlich gut erhaltene DNA in den Skelettresten macht den Fundplatz zu einem außergewöhnlichen Archiv für anthropologische Forschungen. Es gelang nicht nur, den genetischen Fingerabdruck der Bronzezeit-Menschen zu ermitteln. Auch die engen verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen ihnen konnten rekonstruiert werden! Die Bewohner der Lichtensteinhöhle sind die bisher älteste auf genetischem Wege identifizierte Großfamilie der Welt. Über 100 Generationen später lässt sich ihre DNA immer noch bei Menschen nachweisen, die heute in der Nähe der Höhle leben.
Die Erkenntnisse aus der Auswertung von Skelettfunden und Grabbeigaben stellen die Autoren auf spannende Weise in diesem beeindruckenden Archäologie-Buch vor!
Stefan Flindt
Stefan Flindt studierte an den Universitäten Hamburg und Göttingen die Fächer Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie, Alte Geschichte und Volkskunde (Europäische Ethnologie). Seit 1993 ist Stefan Flindt Kreisarchäologe des Landkreises Osterode am Harz bzw. seit 2016 im neu gebildeten Landkreises Göttingen Kreisarchäologe für den Altkreis Osterode am Harz (Niedersachsen). Seit 1993 steht die Ausgrabung und interdisziplinäre Erforschung der Lichtensteinhöhle bei Osterode am Harz im Mittelpunkt der archäologischen Forschung. Weitere Schwerpunkte der Forschungsaktivitäten bildeten die jeweils mehrjährigen Untersuchungen auf der bandkeramischen Siedlung von Schwiegershausen (Stadt Osterode am Harz) und im Bereich des zum Weltkulturerbe zählenden Zisterzienserklosters Walkenried.
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