Der Spiegel liefert als mentales Konzept der mittelalterlichen Literatur eines ihrer bedeutendsten Wahrnehmungs-, Deutungs- und Denkmuster. Die Autorin zeigt anhand der höfischen Romane Willehalm von Orlens, Wilhelm von Österreich und Erec, wie es sich in erzählenden Texten des Mittelalters manifestiert und geht seiner Funktion und Wirkung auf die Rezeption nach. Dabei nimmt sie verschiedene Spiegelungsphänomene in den Blick – etwa die Figuren, ihre Funktion und Wirkung als ‹exemplarische Spiegel› und damit als orientierungsstiftende Vorbilder –, sodass schließlich das gesamte Werk als ‹Spiegel› erscheint. Die Untersuchung verbindet historische Semantik, kognitive Narratologie und kognitive Figurentheorie. So ergibt sich ein neuer Blick auf die Literaturproduktion und -rezeption sowie die Vermittlung von gesellschaftlich relevanten Konzepten wie rehte minne und triuwe.
Katharina Gedigk
significatio Spiegel Epik Höfischer Roman Spiegelung Erkenntnis Metapher Hartmann von Aue Erec Johann von Würzburg Willehalm von Orlens Rudolf von Ems Figurentheorie Denkmuster kognitive Narratologie
«Der ansprechenden Reihe signifcatio seien in diesem Sinne noch zahlreiche weitere erhellende Beiträge zur Bedeutungsbildung in vormodernen Texten und eine breite Rezeption im Fach gewünscht – Katharina P. Gedigk hat hierzu einen ebenso anregenden wie ertragreichen Aufschlag gemacht!»Germanisch-Romanischen Monatsschrift (76.1, 2026)
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