Schriften der Universitätsbibliothek Basel (SUB)
Band 6
Vor vierhundert Jahren erschien bei Konrad Waldkirch in Basel eines der bedeutendsten Werke der altjiddischen Literatur, das sogenannte Mayse bukh. Ein Meilenstein der späteren jiddischen Prosaliteratur, gilt es als die populärste Märchen-, Legenden- und Novellensammlung, die Geschichten von der Antike bis in die frühe Neuzeit enthält und die Schriftsteller heute noch beeinflusst. Die Sammlung wendet sich vor allem an Frauen und Männer, «die wie Frauen sind», d.h. des Hebräischen unkundig, und deutet auf die bahnbrechende Rolle der Frau hin, die ihr dank dieser «Frauensprache», die man mit «vaybertaytshn»-Typen setzte, zuteil wurde: als Leserin, Gelehrte und Erzieherin des Mannes, den sie aufgrund ihrer eigenen Bildung zum Studium der Thora ermahnen muss. Zur unterhaltend-aufbauenden Sabbatlektüre bestimmt, enthält das Mayse bukh u.a. einen unveröffentlichten Zyklus über die frommen mittelalterlichen Wunderrabbis aus dem Rheinland. Zum ersten Mal wird ein Faksimile der äusserst raren editio princeps und eine vollständige französische Übersetzung vorgelegt.
Astrid Starck
Buchdruck, jiddisch Jiddische Literatur Mayse bukh