Der neunte Band der "Darmstädter Beiträge zur Neuen Musik" bringt eine Zusammenfassung dessen, was auf dem Kongress "Notation Neuer Musik" innerhalb der 19. Internationalen Ferienkurse für Neue Musik 1964 abgehandelt und diskutiert worden ist. Die Idee dieses Kongresses entsprang zunächst rein praktischen Erwägungen: Das Notenbild Neuer Musik ist teilweise so unübersichtlich, unklar, ja widerspruchsvoll geworden, dass sich selbst für die unentwegtesten Interpreten kaum zu überwindende Hindernisse in der Aufführungspraxis ergeben haben. Darmstadt in seiner Verbindung von Kompositions- und Interpretationskursen musste daher der legitime Ort sein, diese Probleme anzurühren und obendrein Kontakte herzustellen: zur Wissenschaft, die schiefe Vorstellungen von Historie und Tradition zurechtrücken konnte, wie zu den Verlagen, die praktische Resultate zu erproben haben. Dass dabei auch der Komplex, der unter dem Stichwort "Musikalische Graphik" aufzusuchen ist, auf seine Möglichkeiten und Grenzen hin überprüft wurde, sollte nicht phänomenologisch überbewertet oder gar als eigentlicher Anlass dieses Kongresses missgedeutet werden. Wesentlich für die Betrachtung dagegen dürfte sein, dass das Thema Notation - zwar nicht ganz unerwartet - doch überraschend gradlinig in ein Generalthema der Neuen Musik einmündete: in das Thema "Form".
Carl Dahlhaus