Das Material zu und über Hugo Wolf hat sich in den letzten Jahrzehnten in allen Bereichen angehäuft und ist weitgehend unveröffentlicht. So liegen mehr als zweitausend Briefe vor, Programme aus den großen Sammlungen in Wien und Berlin, Rezensionen über Wiener, Grazer, Berliner Konzerte und solche aus dem süddeutschen Raum u.a.m. Vieles davon blieb auch Frank Walker, der 1951 (deutsch 1953) eine umfassende Monographie über Wolf verfaßt hatte, unbekannt. So entstand der Plan zu einer Hugo Wolf Enzyklopädie, ähnlich wie jene, die 2004 für Franz Schubert vorgelegt wurde. Dieses Vorhaben galt sowohl dem biographischen als auch dem Werkteil, sollte aber auch das Umfeld des Komponisten und viele andere Themenbereiche mit einbeziehen. Dichter, wichtige Interpreten, Verleger, Wolfs Reisetätigkeit, seine Wohnstätten wurden ebenso aufgenommen wie Persönlichkeit, Bildnisse, Wolfs Vorlieben (Sport und Kegelpartien) und Eigenheiten (z. B. seine Selbstdarstellung), und selbst-verständlich das musikalische Werk, namentlich die Bereiche Fassungen, Form, Harmonik, Melodik, Instrumentation, Kompositionsprozeß, Kompositionszeiten, ferner die Rezeption, die Wolf-Vereine, Belletristik und Diskographie.
Eine Zielsetzung lautete, die in den über 500 Einträgen zitierten Aussagen und alle wichtigen Ereignisse zu Leben und Werk quellenmäßig zu belegen. Grundlage bildeten Wolfs eigene Mitteilungen (vorzugsweise Zitate aus seinen Briefen), filtriert durch eine kritisch gesehene, textliche Interpretation. Nur in solchen Fällen, wo die originalen Quellen fehlen, d.h. Äußerungen von Wolf oder Personen aus dem Umkreis des Komponisten schriftlich nicht niedergelegt wurden (oder als verschollen gelten), wurden Ernst Decsey bzw. Frank Walker herangezogen, die noch privaten Zugang zu Personen aus dem Freundes- bzw. Familienkreis hatten und deren Informationen die einzige Überlieferungsquelle darstellen.
Das Konzept wurde so angelegt, daß sich Einladungen an Forscher, die sich mit dem Thema Wolf auseinandersetz(t)en, erübrigten, und folglich der Text sämtlicher Einträge vom Autor stammt. (Lediglich bei zwei Artikeln gibt es einen Mitautor.)
Die Vielzahl der Abbildungen, darunter mehrere Erstveröffentlichungen, ist beabsichtigt. Da noch keine Wolf-Ikonographie existiert, sollten die Darstellungen der Person Wolfs aus verschiedenen Lebenszeiten, jene der Freunde, der von ihm bevorzugten Dichter und letztlich Stätten wie Perchtoldsdorf, Döbling, Matzen, wo er Ruhe zur Komposition fand, Reisestationen u. a. m. dem Leser auch bildlich vermittelt werden.
Neben einer Werkliste und dem Abbildungsnachweis (im Anhang) wird der Text der Enzyklopädie durch drei Register aufgeschlüsselt (Namen-, Orts- und Werkregister).
Ernst Hilmar