›Mehrsprachige Literatur‹ lässt sich nicht länger als Sammelbegriff für literarische Texte verstehen, die in verschiedenen Nationalsprachen verfasst sind. Verbindet man eine literaturwissenschaftliche mit einer linguistischen Perspektive, kommen statt der Grenzen zwischen Sprachen deren Übergangsstellen in den Blick: Auf der textlichen Detailebene treten durch mehr-sprachliche Konstellationen vor allem Stilmuster markant hervor. In der überblickenden Zusammenschau von Texten und Übersetzungen lässt sich ›Mehr-Sprachlichkeit‹ u.a. soziologisch, globalisierungsgeschichtlich oder sogar posthumanistisch profilieren. Die Anthologie veranschaulicht, welche methodischen Perspektiven sich eröffnen, wenn die Mehr-Sprachlichkeit literarischer Texte weniger zur Genrebestimmung herangezogen wird, sondern neue philologisch übergreifende Fragestellungen antreibt.
Antje Wischmann
ANTJE WISCHMANN ist Professorin für Literatur- und Kulturwissenschaft an der Abteilung für Skandinavistik, Universität Wien. Forschungs- und Lehrgebiete: Skandinavische Literatur (19.–21. Jahrhundert), kulturwissenschaftlich und linguistisch erweiterte Zugänge zur Literaturwissenschaft.
Mehrsprachlichkeit Minoritätsliteratur Nils Håkansons Skandinavistik Wilhelm Tell finnische Literaturwissenschaft skandinavische Gegenwartsliteratur