Unter dem Reihentitel Oetinger Auslese erscheinen wichtige und interessante Kinder- und Jugendbücher, die im Rahmen des Deutschen gendliteraturpreises ausgezeichnet worden sind. Mit einer kleinen Gauklertruppe, bestehend aus seiner Mutter, der Seiltänzerin Anina, Philipp, dem Degenschlucker, und Carlos, dem Pferdebändiger, zieht der dreizehnjährige Silas durch die Lande, bis er eines Tages gezwungen wird, das Degenschlucken zu lernen, und er in seiner Wut und Verzweiflung das Weite sucht. Aber so angenehm, wie er sich das Leben in Freiheit vorgestellt hat, ist es nicht. Hunger, Durst und Kälte sind seine ständigen Begleiter, niemandem kann er über den Weg trauen. Der Pferdehändler Bartolin, der ihn bei sich aufnehmen will, sucht in Wahrheit einen billigen Stallknecht und auch die Bauern im Dorf sind nur darauf aus, ihn zu übervorteilen. Als sie ihm schließlich sogar die schwarze Stute stehlen, die er bei einer Wette gewonnen hat, ist Silas jedes Mittel recht, sich sein Eigentum zurückzuholen. Er stiehlt, lügt und betrügt, bis er das ganze Dorf und selbst die Gaukler gegen sich hat. Der einzige, der zu ihm hält, ist Bein-Godik, der gleichaltrige klumpfüßige Kuhhirte, der sich im Leben genauso durchschlagen muss wie Silas. Als die schwarze Stute öffentlich versteigert werden soll, gelingt es Silas endlich, seine Feinde zu überlisten. Er springt vom Baum, auf dem er sich bis dahin versteckt gehalten hat, auf den Rücken seines Pferdes und sprengt davon, und Bein-Godik mit ihm. »Viel geschieht in diesem Buch, die Spannung hält durch von der ersten bis zur letzten Seite«, schrieb die Neue Zürcher Zeitung.
Gerda Neumann