Das Jahr 1462 verbrachte der alternde Nikolaus von Kues als vertriebener Bischof in Italien. Wichtigstes Thema war der noch immer ungelöste Dauerkonflikt mit Herzog Sigismund von Österreich. Eine Friedensdiplomatie auf mehreren europäischen Bühnen blieb erfolglos. Vermittlungsinitiativen des Bischofs von Konstanz, der Eidgenossen und der Republik Venedig überlagerten sich zunächst. Eine Gesandtschaft des venezianischen Patriziers Paolo Morosini in Tirol schuf dann die Voraussetzungen für hoffnungsvolle Friedensgespräche, die ab November 1462 in Venedig anliefen. Die fieberhafte Suche nach Kompromissen erwies sich bald als aussichtslos, nicht nur wegen der umstrittenen Höhe der Restitutionsforderungen, sondern vor allem, weil die erbarmungslose Logik von Kirchenstrafen und Absolution nicht mit dem Verständnis von fürstlicher Ehre in Einklang zu bringen war. Fundament dieser unbeugsamen Haltung gegen Pius II. waren die giftigen Angriffe des längst häretisierten Tiroler Hofjuristen Gregor Heimburg gegen die Grundpfeiler des päpstlichen Amtsverständnisses, die immer deutlicher zeigen, wie eng landesfürstliches Machtbewusstsein mit postkonziliaristischen Ideen verflochten war.
Daneben gibt der Band gibt Einblicke in die Welt eines Kurienkardinals. Cusanus trat hier vor allem als engagierter Fürsprecher der Stadt Breslau in Erscheinung, die im Klammergriff des Hussitenkönigs Georg Podiebrad von Böhmen verzweifelt nach Unterstützung suchte.
Johannes Helmrath
Prof. Dr. Johannes Helmrath, geb. 1953, studierte Geschichte, Philosophie und Lateinische Philologie in Aachen, Toulouse, Paris, Bonn und Köln. Er wurde 1984 in Köln mit einer Arbeit über das Basler Konzil (1431-1449) promoviert. Die Habilitation folgte ebendort 1995 mit einer Arbeit über "Reichstag und Rhetorik. Die Reden des Enea Silvio Piccolomini auf Reichstagen 1454/55". 1988-1997 war er als Mitarbeiter der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Köln am Editionsunternehmen "Deutsche Reichstagsakten" tätig. Im Wintersemester 1995/96 übernahm er eine Lehrstuhlvertretung an der Humboldt-Universität zu Berlin, 1996/97 an der Universität zu Köln. Seit April 1997 ist er Professor für mittelalterliche Geschichte mit besonderer Berücksichtigung des Spätmittelalters an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2000 ist er Vertrauensdozent der Studienstiftung des deutschen Volkes, seit 2004 Vorsitzender des Mittelalter-Komitees der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Mitglied des Akademischen Senats der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitglied des Pontificio Comitato di Scienze Storiche am Vatikan (Città del Vaticano). Er ist Mitherausgeber der "Acta Cusana", der "Zeitschrift für Kirchengeschichte" (Kohlhammer, Stuttgart) und der Reihen "Spätmittelalter, Humanismus und Reformation" (Siebeck, Tübingen) und "Transformation der Antike" (de Gruyter, Berlin). Seit Mai 2011 ist er zudem Sprecher des SFB 644 "Transformationen der Antike" und Teilprojektleiter des Projekts A04 "Historiographie des Humanismus: Soziale Praxis, Narrativität und historische Semantik" und Mitglied der Mittelalter-Kommission der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.