Der Band bietet einen umfassenden und reich bebilderten Überblick zum Leben und Wirken des Francis Bacon. Ein Standardwerk. [Westfälische Nachrichten]
Francis Bacon (1909–1992) ist der bedeutendste englische Maler des 20. Jahrhunderts. Der vorliegende Band stellt seine beunruhigenden und zugleich fesselnden Darstellungen umfassend vor: geschändete Leiber, Porträts der Freunde und Studien sich liebender, miteinander ringender Körper vergegenwärtigen ein humanes Subjekt, das seine stabile Identität verloren hat.
Dramatische Darstellungen von menschlichen Körpern – schmerzhaft sich windend, zerfließend, ineinander verschlungen – bestimmen das Motivrepertoire von Francis Bacon. Seinen Bildern hat er alles Erzählerische ausgetrieben und sich auf die physische Präsenz des Fleisches konzentriert. Dabei setzt er Körper in Szene, die wandlungsfähig, verletzbar und hinfällig anmuten, zugleich aber auch auftrumpfend, vital und aggressiv erscheinen. In ästhetischer Überhöhung und suggestiver Schönheit vermittelt sich solche Widersprüchlichkeit als schockhafte Erfahrung von Größe und Endlichkeit menschlichen Daseins. 'Große Kunst besteht immer darin', so sagte Bacon einmal, 'das sogenannte Faktische, das, was wir über unsere Existenz wissen, zu verdichten und in einem neuen Licht erscheinen zu lassen.' Er will Schleier von falschen Vorstellungen und Ideen reißen und zeigt daher Gestalten mit menschlichen Zügen, die in ihrer künstlerischen Erscheinung faszinieren und durch ihre physische Deformation erschrecken. Doch bleiben die Wesen zumeist isoliert und agieren unsicher auf bühnenartigen Plattformen, in leeren, fensterlosen Räumen oder Käfigen. Anregungen für seine ungeheuer bewegende Bildwelt fand Bacon u.a. bei Werken alter Meister wie Michelangelo, Velázquez, Rembrandt, Degas, van Gogh, in Büchern oder in der Tagespresse.Wie eine 'Mühle' verarbeitete er diese Flut von Reproduktionen. Transformiert und stark verfremdet, gingen einzelne Sujets in seine Gemälde ein. 60 Werke aus den Jahren 1945 bis 1991, darunter zehn Triptychen, führen Bacons ästhetische Vorstellungswelt vor Augen, die sich mit einer abgründigen existentiellen verschränkt und anhaltende Aktualität genießt.
Die Publikation ist weit mehr als ein Ausstellungskatalog, sondern beinahe eine Bacon-Monografie, in der alle zentralen Themen des Künstlers beleuchtet werden.
[ensuite - kulturmagazin]
Armin Zweite