Mit der Heraufkunft der Moderne und insbesondere seit dem 20. Jahrhundert hat sich zunehmend ein positivistisch-szientifischer Vernunftbegriff durchgesetzt, der die Realität auf das positiv Wissbare reduziert und zwar um den Preis einer umfassenden Ausblendung von Negativitätsphänomenen. Der vorliegende Band fragt von daher bewusst und explizit nach dem erkenntnistheoretischen und praktisch-philosophischen Potential von Negativität. Aus verschiedenen Perspektiven wird die Frage gestellt, welchen Beitrag auf Negativität basierende Ansätze in der Philosophie des 20. und 21. Jahrhunderts zu einer Selbstverortung des Menschen im post-metaphysischen Zeitalter zu leisten vermögen.
The advent of Modernity was accompanied by a radical criticism of traditional metaphysics. In particular since the 20th century, rationality is predominantly conceived of as positivistic and scientistic, reducing reality to what is positively knowable. The price to pay is the cutting out of any kind of phenomenon of negativity. The present volume explicitly explores the philosophical and epistemological potential of negativity. The contributions brought together in this book tackle the question of negativity from historical as well as from systematical perspectives. From different angles, they defend the claim that philosophical approaches recurring to negativity can build a non-reductive conceptualization of rationality, and thus offer a valuable contribution to the orientation of humankind in the 20th and 21st century.
This volume contains contributions in English, French, and German.
1 Die Beiträge teilen eine gemeinsame Diagnose: Es lohnt sich, nach Alternativen zur dominierenden analytisch-philosophischen Rationalität zu suchen. Diese hat Teile der kontinentalen Tradition an andere Wissenschaften verloren.
2 z.B. an die Literaturwissenschaft. Zu diesen Traditionen gehören Formen eines nichtbegrifflichen Wissens, das schon in der klassisch modernen Unterscheidung zwischen subjektivem und objektivem Wissen seinen Platz nicht mehr behaupten konnte.
3 Zu diesen für die Philosophie verlorenen Traditionen gehört auch ein Denken von Transzendenz. Im nachmetaphysischen Zeitalter kann Transzendenz über den Begriff der negativen Erkenntnis wieder neu gedacht werden.
Sebastian Hüsch
Negativität Erkenntniskritik Phänomenologie Apophatismus Postmoderne