Und, was denkst du gerade? Google weiß es.
Google ist unser kollektives Unterbewusstes und unsere Schwarmdummheit. Genies? Mit Goethe gestorben. Eingebung? Mit Gott/Nietzsche gestorben.
Was denkst du gerade? Google weiß es.
Google ist unser kollektives Unterbewusstes und unsere Schwarmdummheit. Genies? Mit Goethe gestorben. Eingebung? Mit Gott/Nietzsche gestorben. Glückstreffer? Mit Trump gestorben. Mit dem Feature Autocomplete vervollständigt Google unsere Gedanken, bevor wir sie haben. Weil andere sie gehabt haben. Und die meinen Frauen sollten:
mehr Kleider tragen
Turnschuhe tragen
nicht arbeiten
keine Rechte haben
keine Hosen tragen
Sieht so aus, als wären wir verdammt konservativ bis menschenverachtend, aber geile Sneaker müssen sein. Und es wird noch viel bunter. Islam? Angela Merkel? Deine Schwester? Heute brauchen wir keinen verkoksten Sigmund Freund mehr, der in unserem vermuteten Unterbewusstsein marodiert. Google sagt uns direkt, was wir denken. Und wir sind widerlich. Das hier wird ein Köpper in unsere kollektive Nichtintelligenz, bevor die Computer endgültig übernehmen. Nach Ray Kurzweil, „Cheffuturologist“ bei Goolge, wird das um 2045 sein. Wenn man sich ansieht, was wir so verzapfen, ist das hoffentlich nicht zu spät. Google ist schon jetzt unsere Welt. Der stille Gigant, der unsere Wahrnehmung formt. Wer ist dieser Google? Was will er? Was meint er zu deiner Schwester?
Aber du bist anders. Natürlich. Du bist eine Schneeflocke, absolut einzigartig? Vielleicht, aber unwahrscheinlich. Die Suchergebnisse weichen bei jedem ein wenig ab, aber die Zahlen lügen nicht. Du schon, und wenn du es nicht merkst. Was du und deine Mitmenschen wirklich denken, steht hier. Der preußische König Friedrich der zweite schrieb an Voltaire: „Das gemeine Volk modert im Schlamm seiner Vorteile vor sich hin.[…] Der Pöbel verdient keine Aufklärung.“ Vielleicht nicht, aber er kann sie mit einer Googleanfrage bekommen. Du bekommst ein paar Werkzeuge an die Hand, um ein kleiner Wahrsager zu werden. Niemand hat Trump vorhergesehen? Ein Blick auf Google hätte genügt. Bevor die nächste Katastrophe kommt, oder du eine wirst, weißt du Bescheid.
Kristjan Knall
Seit 2013 verfasst Knall Bücher zum Thema Berlin und zur Gesellschaftskritik und tritt in Radiosendungen auf. Oft spielen die Handlungen in schäbigen Milieus und an den Rändern der Gesellschaft. Der beleidigende und vulgäre Stil steht im oft ironisch gebrochenen Kontrast zur Aussage. Kristjan Knall setzt sich für linksprogressive Ziele ein, unter anderem die Abschaffung des Kapitalismus,Transparenz in der Politik und das Bedingungslose Grundeinkommen. Mitunter vertritt er provokante Thesen wie die Abschaffung von Kindern. In einem Artikel des Stadtmagazins Zitty hieß es 2019 über die Revitalisierung der neuköllner Karl-Marx-Straße: "Die Christian Lindner-Kacke läuft hier nicht."2020 setzte er sich für den Erhalt des linksalternativen Barprojekts "Syndikat" in Berlin-Neukölln ein.
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