Wie eine Schlange müsse eine Tradition ihre Haut abstreifen, um sich altmodischer und nicht mehr gelebter Aspekte zu entledigen. Der japanische Religionsphilosoph Keiji Nishitani kritisiert am Buddhismus, dass er sich nicht auf die Auseinandersetzung mit der Moderne eingelassen hat, und fordert ihn auf, aus seiner weltfernen Situation – »vom Berg Hiei« – herunterzusteigen. Er warnt vor der Gefahr der Erstarrung im Althergebrachten und zugleich vor dem Verlust der Tradition.
Ausgehend vom Wandel der Kulturen und dem Bedeutungsverlust von Familie und Religion macht Nishitani auf Gefahren der Moderne für den Menschen und seine Menschlichkeit aufmerksam. Mit tiefen Einblicken in den Buddhismus und das Christentum nähert er sich der Natur authentischer Existenz, der Rolle, die das Gewissen dabei spielt, und einer notwendigen Transformation der Religion.
Keiji Nishitani
Nishitani Keiji (西谷 啓治, 1900 geboren, gilt als einer der wichtigsten Denker der japanischen Philosophie des 20. Jahrhunderts. Nach einem Studium bei Kitarō Nishida und einem Studienaufenthalt bei Martin Heidegger in Freiburg lehrte er ab 1943 als Professor in Kyōto, wo er 1990 starb. In seinen Arbeiten verbindet er existenzphilosophische und anthropologische Ansätze.
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