Gesamtsystematik zur Zustandsbewertung von Mittelspannungs-Betriebsmitteln durch Kombination von visuellen Inspektionen (Checkliste) und einfachen Messverfahren unter Anwendung der Evidenz-Theorie
In Anbetracht einer stetigen Effizienzsteigerung bei der Bewirtschaftung des Mittelspannungsnetzes rücken bei Netzbetreibern vermehrt optimierte Instandhaltungs- und Erneuerungsstrategien, deren Basis der aktuelle, technische Betriebsmittelzustand ist, verstärkt in den Fokus. Die objektive und realitätsgerechte Bestimmung des Betriebsmittelzustands bildet somit eine der zentralen Entscheidungsgrößen zur Asset-Optimierung, um die Planung von Instandhaltungs- und Erneuerungsmaßnahmen gezielt zu steuern.
Die Zustandsbewertungen von Mittelspannungs-Betriebsmitteln werden meist bei den visuellen, turnusmäßigen Inspektionen (Checkliste) durchgeführt, um den aktuellen Zustand mit der Expertise des Instandhaltungspersonals zu beurteilen und die zugehörigen Bewertungskosten möglichst gering zu halten. Expertenwissen besitzt aber einen subjektiven Charakter und hat z. T. einen erheblichen Einfluss auf die Bewertungsergebnisse. Im Rahmen der Dissertation wird dieser subjektive Einfluss bzw. die zugehörigen Auswirkungen analysiert und mit wirksamen Gegenmaßnahmen kompensiert. Hierbei werden auch geeignete einfache Messverfahren vorgestellt, wodurch bereits im Betrieb bei nur geringem zeitlichem Aufwand ein erheblicher Mehrwert erreicht wird.
Trotz dieser Objektivierung verbleibt eine restliche Unsicherheit, die im entwickelten Zustandsbewertungsmodell in einer realitätsgerechten Gesamtaussage berücksichtigt wird. Hierfür werden die unterschiedlichen Bewertungsergebnisse der Messverfahren („Hard-Facts“) und der visuellen Inspektion („Soft-Facts“) unter Anwendung der Evidenz-Theorie miteinander kombiniert, um auch die Qualität der Zustandsbewertung zu quantifizieren. Anhand umfangreicher Felduntersuchungen an Mittelspannungs-Netzstationen werden die Praxistauglichkeit und der Informationsgewinn dieses evidenzbasierten Modells ausführlich verdeutlicht, wodurch dieses als fundierte und nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage zur Asset-Optimierung validiert wird.
Dominik Beerboom
Studium Wirtschaftsingenieurwesen (Schwerpunkt Energiemanagement) an der Bergischen Universität Wuppertal, Promotion zum Dr.-Ing. am Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgungstechnik der Bergischen Universität Wuppertal, Leiter der Forschungsgruppe Zustandsbewertung und Energiekonzepte
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