"In diesem Buch wird zwischen Theorie und Praxis eine Brücke gebaut – im Dienst von Jugendlichen, die ein schwieriges Leben führen und deshalb schwierig sind."
Die Autoren dieses Buches sind engagiert im Kontext der Jugendhilfe, insbesondere in dem der Arbeit mit als schwierig beschriebenen Jugendlichen. Ludger de Wendt ist Sozialarbeiter, Prof Dr. Peter Fuchs systemtheoretisch arbeitender Soziologe, der als wissenschaftlicher Berater die Einrichtungen Ludger de Wendts betreut. Die schon viele Jahre andauernde Zusammenarbeit führte und führt immer wieder zu gemeinsamen Projekten, zu Praxis- und Theorieseminaren. Der hier vorgestellte Text ist die dialogische Rekonstruktion dessen, was als (natürlich vorläufiges) Ergebnis aller dieser Bemühungen begriffen werden kann.
Im Kern geht es darum, das Thema ‚Jugendgewalt‘ einzubetten in eine Analyse der modernen Gesellschaft. Der Grund dafür ist, eine Distanzierung zur üblichen Diskussion zu finden, die wesentlich auf moralischen Vorannahmen gegründet ist. An diese Stelle tritt die Idee, dass wir Jugendliche nicht begreifen als Personen, deren soziale Adresse beschädigt ist Jugendarbeit wird verstanden als Adressenarbeit. Effekt dieser Überlegungen ist es, dass die Praxis der entsprechenden Sozialarbeit methodisch durchleuchtet werden kann.
Diese Form gestattet es, ‚Manuale‘ zu entwickeln, die punktgenau mögliche Veränderungen in der Praxis anregen und ermöglichen sollen.
Zudem wird in eher lockerer Weise die theoretische Basis des Anti-Aggressionstrainings vorgestellt, das von beiden Autoren entwickelt wurde und von Ludger de Wendt im Kontext seiner Arbeit als Sozialarbeiter durchgeführt wird. Bislang kann das Projekt mit einer Rückfallquote von Null-Prozent aufwarten.
Die als Wirkung des Anti-Aggressiontrainings gewertete Rückfallquote war Motivation genug, um einer interessierten Öffentlichkeit aufzuzeigen, dass nicht die Demontage der Täter zu einer Veränderung führt, sondern eine Vermittlung der Mechanismen von Gewalt und die Restitution der sozialen Adresse es ermöglichen, dass Jugendliche ihre soziale Attraktivität nicht über Gewalt herstellen müssen.
Peter Fuchs
Peter Fuchs (* 1949 in Dinkelsbühl), war von 1992 bis 2007 Professor für Allgemeine Soziologie und für Soziologie der Behinderung an der Hochschule Neubrandenburg. Er gilt als einer der Weiterentwickler der Gedankenwelt des Begründers der soziologischen Systemtheorie, Niklas Luhmann.
Nach einer Ausbildung und Berufslaufbahn als Heilerziehungspfleger studierte Fuchs von 1986 bis 1989 Sozialwissenschaften und Soziologie in Bielefeld, Dortmund und Hagen. 1991 promovierte er an der Justus-Liebig-Universität Gießen mit einer Arbeit über „Die Erreichbarkeit der Gesellschaft: zur Konstruktion und Imagination gesellschaftlicher Einheit“ zum Dr. rer. soc. Heute lebt er in Soest und ist wissenschaftlicher Leiter des IAST – Institut für Allgemeine und Spezielle Systemtheorien.
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