Flurnamen wie Woort, Esch, Geist, Kamp, Brink, Waldemei oder Kopp wurden zumeist mündlich durch die Jahrhunderte gereicht und geben heute nicht selten Rätsel auf. Sie spiegeln vergangene Sprach- und Alltagswelten wider. Außerdem weisen sie indirekt auf den Wandel von Natur und Landschaft hin. An den Flurnamen ist abzulesen, wie die Menschen der ländlichen Gesellschaft ihre Umwelt wahrgenommen und sich darin orientiert haben – und auch, wie sie die Landschaft durch Besiedlung, Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Verkehr veränderten. Fotos und Karten laden zum Blättern und Entdecken ein. In Text und Bild bietet das Buch einen ungewohnten Blick auf die Geschichte der Landschaft und der Menschen in Westfalen und Nordwestdeutschland.
Gisbert Strotdrees
Flurnamen Landschaft Landwirtschaft Nordwestdeutschland Siedlung Westfalen
Flurnamen, das heißt Landschaftsbezeichnungen wie »Hardt«, »Ley«, »Hohe Bracht« oder auch »Bühl«, sind oft sehr alte Begriffe, die im Laufe vieler Jahrhunderte jeweils von den »Vorsiedlern« übernommen wurden. Manchmal sind sie sogar noch keltischen Ursprungs. Gisbert Strotdrees hat jetzt eine neue Untersuchung zu den »Flurnamen in Westfalen« mit dem interessanten Titel »Im Anfang war die Woort« vorgelegt, die, ansprechend aufgemacht, in die Geschichte der Begriffe einführt.
Unterteilt hat der Autor die Vielzahl der Begriffe nach den Lebenswelten der Menschen; er erläutert, wie die Menschen zwischen Minden, Münster, Bocholt, Paderborn, Dortmund und Siegen in ihren jeweiligen Dialekten das »Ackerland« benannt haben, wie sie »Maße und Zahlen« bezeichnet haben, wie sie vom »Hof und seinem Umland« gesprochen haben, welche Bezeichnungen sie für das »Gemeinsame Land« gefunden haben, wie »Grenzen und Wege« hießen, wie das »Land mit Wasser und das Land am Wasser« bezeichnet wurden, welche Begriffe sie für »Hügel, Berge und Felsen« fanden oder für »Hecken, Wald und Bäume«.
Seine Erkenntnisse hat Gisbert Strotdrees in leicht zugänglicher und gut lesbarer Form hier vorgestellt. Strotdrees erläutert nicht nur die Begriffe, sondern stellt auch die Zusammenhänge dar, in denen sich die Begriffe entwickelt haben. So ist zu erfahren, warum »Sundern« Sundern heißt: Es handelt sich dabei um ein Stück Land, das vom Grundherrn aus seinem zusammenhängenden Besitz herausgelöst und »gesondert« zum Verkauf angeboten wurde. Im Siegerland und im Wittgensteiner Land ist die Lei/Ley/Leie eine weit verbreitete Landschaftsbeschreibung: Sie bezeichnet einen (hoch aufragenden) Felsen, der gleichzeitig unfruchtbares Land darstellt. Der Begriff tauchte wohl erst in der frühen Neuzeit auf; sein Erscheinen verweist auch auf die geänderte Wahrnehmung der Umgebung.
Ein informatives und spannendes Buch, das den Leser seine Umgebung aufmerksamer wahrnehmen und erleben lässt.
Gunhild Müller-Zimmermann, in: Siegener Zeitung, 10.6.2017, Heimatland
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