Das hier vorgeschlagene Evaluationsverfahren ist transparent, einfach verständlich
und kann für verschiedenste analytische Methoden in
Hochschulpraktika sowie in der Laborpraxis angewendet werden.
Ziel dieses Projektes war es, bestehende "klassische" Praktikumsversuche in der instrumentellen
Analytik, auf Nachhaltigkeit zu gewichten und wenn möglich zu verbessern, ohne die angebotene Vielfalt an analytischen
Technologien zu verringern. Der Hauptteil dieser Untersuchung bestand darin, eine umfassende
Analytik-spezifische Gewichtungsmethode zu definieren, die als Alternative zu den traditionellen
„grünen“ Bewertungsansätzen, die primär für die Zwecke der organischen Synthese erarbeitet
wurden, herangezogen werden kann. Während des Frühlingssemester 2015 wurden 105 Projekte
angeboten, welche an 18 Geräte mittels 12 verschiedenen Untersuchungsmethoden der
instrumenteller analytischen Chemie durchgeführt wurden. Die Informationen zu den Gefahren
(physische, chemische, Gesundheit, Umwelt) der eingesetzten Stoffe basierten auf der GHS
Klassifizierung und Kennzeichnung (Globally Harmonized System of Classification and Labelling of
Chemicals). Im ersten und zweiten Teil des erarbeiteten Nachhaltigkeitscodes sind Angaben zu den
eingesetzten Stoffe (Chemikalien, Lösungsmitteln, Gase) und zum Energiebedarf des Instrumentes
angegeben. Der dritte und vierte Teil beinhalten, wenn auch nur in Annäherung, Informationen über
den Einsatz von Verbrauchsmaterial und die gerätebezogene Nachhaltigkeit der jeweiligen Methode.
Der Belastungsindex (BI) besteht aus der Zusammenfassung der direkten Kausalitätsindikatoren
Stoffe und Energie zu einer einzigen Kennzahl. Die Versuche wurden auf einer Belastungsindex-Skala
in „ideale“ Analysenmethoden, nachhaltige Analysenmethoden und
Analysenmethoden mit Optimierungspotenzial (BI <200) unterteilt. Die hier beschriebenen, spezifisch auf den analytischen
Prozess in einer Hochschulumgebung ausgelegten Gewichtungskriterien dienen als eine brauchbare
Orientierung für eine semi-quantitative Gewichtung bekannter aber auch neuer Methoden in
analytisch chemischen Praktika sowie in der Laborpraxis.
Sergio Petrozzi
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Chemie und Biologische Chemie an der ZHAW
Nachhaltigkeit Praktikumsversuche Analytische Chemie