In diesem Band sind alle Materialanhänge und Tabellen zusammengefasst, die in Band I dieser Reihe untersucht werden.
Die hier vorliegenden Dissertation befasst sich mit Verlaufsblättern, die von Professionellen in psychiatrischen Einrichtungen verfasst werden. Die Autorin geht dabei nicht nur auf Form und Inhalt ein, sondern auch auf die Informationen "zwischen den Zeilen", nämlich auf stigmatisierende Einträge und zugrunde liegende Einstellungen. Die Schwerpunkte liegen erstens in den Ambivalenzen aller Beteiligten, zweitens in den Rollenkoflikten, die automatisch aufkommen und drittens in Motivzuschreibungen, die möglicherweise von den Beteiligten auch falsch getätigt werden. Die Autorin identifiziert und analysiert nicht nur entlastende Gründe und Hintergründe für auf den ersten Blick fragliches Verhalten; sie ermöglicht dem Leser nicht nur ein besseres Verständnis der Situation und des institutionellen Arrangements; sie vermag vor diesem Hintergrund vielmehr auch am Ende weit genauer zu pointieren, wo dieses Arrangement auch jenseits aller Sachzwänge gleichwohl noch defizitär scheint und einer Verbesserung harrt und wie zukünftige Untersuchungen ausgerichtet sein müssten, um diese Schwierigkeiten genauer zu erfassen und schließlich auch besser in den Griff zu bekommen.
Zur Rekonstruktion der gesamten Arbeit ist es erforderlich, Band II mit allen transkripierten Verlaufsblättern und Anhängen hinzuzuziehen.
Claudia Saba
Nach dem Sozialpädagogikstudium arbeitete Claudia Saba in verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen. An der Universität Konstanz absolvierte sie später ein weiteres Magisterstudium in den Fächern Soziologie und Philosophie. Die zahlreichen Stigmatisierungen von psychisch kranken Menschen durch Professionelle im Gesundheitswesen, die Claudia Saba miterlebt hat, gaben den thematischen Anstoß für die hier vorliegende Dissertation.
Professionelle Stigmatisierung psychische Erkrankungen qualitative Fallananlysen