Einzige Fotoserie der legendären Vorlesungen des Philosophen Max Bense.
Zweifellos gehörte der Philosoph und Schriftsteller Max Bense (1910 – 1990) in der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft zu jener überschaubaren Gruppe von Intellektuellen, die mit ihren Thesen für tiefe Verstörungen im öffentlichen Bewußtsein sorgten. Seinen Lehrstuhl für Philosophie und Wissenschaftstheorie interpretierte er zu keiner Zeit als ein bequemes Sitzmöbel, sondern als eine Möglichkeit, nachhaltig in die geistige Debatte seiner Zeit einzugreifen und etwas in Gang zu bringen, was man heute fast schon wieder beschönigend eine Streitkultur nennen würde. Benses offensives Bekenntnis zur Moderne, sein Affekt gegen alles, was auch nur entfernt an deutsche Innerlichkeit erinnern könnte, sein Eintreten für eine technisch-experimentelle Intelligenz, waren für mindestens eine Generation kritischer Intellektueller gleichbedeutend mit Progressivität und Weltoffenheit.
Bense auf der Vorlesungsbühne, das war ein zwischen Tafel, Seitenwänden und Publikum operierender Energieknoten: den Kopf wie eine Glühbirne in den existentialistischen Rollkragenpullover geschraubt und deshalb leicht aus der Fassung geratend; ein mobiler, permanent Wörter verbrauchender Hochleistungsprozessor; neunzig volle Minuten damit beschäftigt, zwei riesige Wandtafeln mit philosophischen Höhlenzeichnungen zu überziehen; dabei hin und hergerissen zwischen dem Bedürfnis, sich maximal verständlich zu machen und dem artistischen Vergnügen an der verblüffenden Wendung.
Jonnie Döbele, damals noch Student, hatte am 6. Dezember 1976 die einmalige Gelegenheit, eine komplette Vorlesung Max Benses zu fotografieren.
Harry Walter
Jonnie Döbele
Elisabeth Walther Fotografie Harry Walter Hörsaal Max Bense Philosophie Stuttgart Stuttgarter Schule