Seit der Weimarer Zeit wurden in den Zentren deutscher Städte zunehmend sogenannte Altstadtsanierungen durchgeführt. Sie sollten zum einen der Beseitigung städtebaulicher Missstände – wie zu dichte Bebauung und verkehrliche Erschließung – dienen, zum anderen dem Erhalt bzw. der Wiederherstellung des historisch gewachsenen, für „typisch“ gehaltenen Stadtbildes. Nach den starken Zerstörungen vieler Innenstädte wurden nach 1945 die hierbei entwickelten Praktiken vielerorts zu dem von Städtebauern, Denkmalpflegern und Verkehrsplanern oft vertretenen Ziel weiterentwickelt, die Altstädte zugunsten breiter Straßen und großer Geschäftsflächen auf eingegrenzte kleinere Traditionsinseln zu reduzieren. Gerne am historischen Markt geschaffen und als Gute Stuben bezeichnet, errichtete man dort, neben erhaltenen Altbauten, umgesetzte, rekonstruierte und auch erfundene Fassaden. Am Beispiel verschiedener ostwestfälischer Städte werden die allerorts propagierten Ziele mitsamt ihren Akteuren, Argumenten und Resultaten exemplarisch analysiert.
Fred Kaspar
Altstadtsarnierung Städtebau Denkmalpflege Traditionsinsel Altbau Fassade