Mannheim, Sommer 1999. Lukas Bergmann ist zwölf und sitzt auf dem Außensims im dritten Stock, das Schachbrett auf den Knien, die Füße über der Langstraße. Sein Lehrer ist ein alter Dreher aus dem ersten Stock. Seine Familie ist eine alleinerziehende Reinigungskraft, die abends still nach Hause kommt und nie klagt. Lukas betrachtet die Neckarstadt-West als Schachbrett. Er beschließt, irgendwann auf der anderen Seite anzukommen.
Dreißig Jahre später ist er der jüngste Managing Director einer Frankfurter Investmentbank. Er hat ein Haus im Taunus, einen Sohn, eine Frau, die er liebt - und den Verdacht, dass er auf dem Weg dorthin etwas verloren hat, das er nicht benennen kann.
Als seine Mutter an einem Dienstagvormittag allein stirbt, fährt er nicht sofort. Er geht erst in seine Besprechung. Erst später, am Grab in Mannheim, beginnt er aufzuschreiben, was war. Nicht wie es hätte sein sollen.
"Ich habe getan, was ich konnte", steht auf dem Grabstein. Lukas weiß nicht, ob es eine Entschuldigung ist oder ein Freispruch.
"Der Banker" erzählt vom Aufstieg eines Kindes aus einer Mannheimer Vorstadtwohnung in die Vorstandsetagen Frankfurts - und davon, was dabei unsichtbar wird. Ein leiser Gegenwartsroman über Herkunft, Verantwortung und den Preis, im Licht zu stehen.
Vom Schachbrett im dritten Stock der Mannheimer Neckarstadt zur Vorstandsetage einer Frankfurter Investmentbank — die Bilanz eines sozialen Aufstiegs, erzählt vom Grab der Mutter aus.
Für Leserinnen und Leser literarischer Gegenwartsromane über Herkunft, Familie und Klasse — und für alle, die die Frankfurter Bankenwelt aus persönlicher, leiser Perspektive erleben wollen.
Geschrieben aus einer langen Innensicht in die Welt der Banken: ein Roman ohne Wirtschafts-Klischees — leise, präzise, am Grab der Mutter erzählt, mit dem Schachbrett als heimlicher Mitte.
Joachim Strobel
Joachim Strobel, geboren 1966, ist Diplom-Kaufmann und arbeitete über drei Jahrzehnte in leitenden kaufmännischen Positionen - mehrere Jahre davon in der Zürcher Finanzbranche, später als Vorstandsvorsitzender eines mittelständischen Softwareunternehmens. Heute widmet er sich ausschließlich dem Schreiben. Strobel ist deutscher und Schweizer Staatsbürger, verheiratet, Vater zweier Kinder und lebt in Lauf an der Pegnitz. "Der Banker" ist sein Romandebüt.
Gegenwartsliteratur Sozialer Aufstieg Investmentbanker Klassismus Mutter-Sohn-Roman