Fatmirja ist eine vielfach Traumatisierte: Opfer körperlicher Gewalt (Spuren von Schnittverletzungen und sexualisierter Gewalt), Opfer psychischer Gewalt, weil sie das Grauen mit eigenen Augen sah, und Opfer seelischer Gewalt, weil sie unablässig am Schmerz über den Verlust ihrer Tochter leidet. Und doch birgt Fatmirjas boses, unheilvolles Fatum einen hellen Punkt inmitten der schwarzen Finsternis: Sie lebt, sie hat überlebt, und sie ringt in jeder Hinsicht darum, Kraft zu finden, laut und vernehmbar ihre Geschichte zu bezeugen. (...) Indem sie spricht, legt sie Zeugnis über ihr schwarzes Schicksal ab; indem sie spricht, erkennt sie sich wieder und zwar, indem sie vor uns wesentliche Facetten ihres Charakters sichtbar macht: „als versierte Professorin, als mutige Intellektuelle". Eben durch diese Wiedererkenntnis und Selbsterkenntnis baut und entfaltet Fatmirja ihren emotionalen Bogen, der sich von Selbstverurteilung und Selbstzurechtweisung hin zu dem Mut bewegt, öffentlich über das zu sprechen, was ihr widerfahren ist.
Durch die Figur Fatmirja hat der Autor Rexhaj Tausende Frauen, Opfer von Gewalt und Vergewaltigung, und ihr unheilvolles Geschick verdichtet und personifiziert. So projiziert und entfaltet er Fatmirjas Erzählung als individuelles Fatum ebenso wie als universales Fatum: als allgemein-menschlichen Schmerz, als Aufschrei und Ruf nach Gerechtigkeit für die Opfer von Gewalt und Vergewaltigung.
Aus dem Vorwort von Assoc. Prof. Arian Krasniqi
Besim Rexhaj
BESIM REXHAJ (1960) veröffentlichte 1994 bei Hejza Bibliothek des Verlags Rilindja in Pristina die monografische Studie "Typen des zeitgenössischen albanischen Dramas im Kosovo 1950-1990".
Im Jahr 2009 erschien beim renommierten Verlag Faik Konica, Pristina, das zweibändige monografische Werk "Das albanische Drama nach dem Zweiten Weltkrieg, 1948-2008: Poetik, Typologie, Periodisierung", das mit dem Preis Pjeter Bogdani des Schriftstellerverbands des Kosovo als bestes Buch des Jahres in allen Literaturgattungen 2008/09 ausgezeichnet wurde.
2011 veröffentlichte der Verlag Faik Konica die Trilogie "Der Wirbel", die aus drei dramatischen Werken besteht, aus zwei Monodramen "Das unvollendete Porträt" und "Das endlose Spiel" sowie einem Drama mit dem Titel "Der Wirbel". Dieses Drama hatte im Februar 2014 Premiere am Nationaltheater des Kosovo Zeitschrift des Schriftstellerverbands Kroatiens Republika veröffentlicht.
Ende 2020 erschien das Monodrama Das-Sich Selbst Vergessen bei gendra Multimedia, Pristina, als zweisprachige Ausgabe (Albanisch und Englisch). 2024 brachte der Verlag Faik Konica den Band mit Essays, Beobachtungen und literarischen Analysen Von der Literatur bis zur Dramaturgie heraus.
An der Akademie der Künste, Fachbereich Dramatische Künste, der Universität Pristina unterrichtet er seit 1999 die Fächer Geschichte des Dramas und des Welttheaters l und Il und seit 2008/09 in der Funktion eines Professors zudem die Fächer Geschichte des Dramas und des nationalen Theaters / und Il. Er arbeitet und lebt mit seiner Familie in Pristina.
Drama Albanisch-Deutsch Monodrama