Der Leitbegriff von Andrej Belyjs kulturphilosophischem Hauptwerk ist die Selbstbewusstseinsseele. Sie bildet zugleich dessen Gegenstand und Methode und ist Ausdruck seiner späten Erkenntnistheorie und Poetologie. Aspekte der Anthroposophie Rudolf Steiners und der russischen Historiosophie sind hier zu einer originellen Synthese zusammengeflossen.
Die „Istorija stanovlenija samosoznajuščej duši" ist das kulturphilosophische Hauptwerk von Andrej Belyj. Es ist bislang nur in Auszügen publiziert und wird hier erstmals auf der Grundlage des vollständigen Manuskripts erschlossen. Sein Leitbegriff – die Selbstbewusstseinsseele – bildet zugleich seinen Gegenstand und seine Methode. In ihm sind Belyjs späte Erkenntnistheorie und Poetologie zusammengefasst. Diese bestimmen die Gestalt des Textes, dessen Sinnschichten durch eine „autoreferentielle Hermeneutik" erschlossen werden. Neben Anregungen aus der Anthroposophie Rudolf Steiners hat Belyj Ideen der russischen Historiosophie aufgegriffen und zu einer originellen Synthese verarbeitet. Mit der Charakterisierung des Spätwerks als „hermetischer Symbolismus" soll ein neues Paradigma geprägt werden.
Angelika Schmitt
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