In den neunziger Jahren waren die Volkswirtschaften in Deutschland und in den USA von völlig unterschiedlichen Entwicklungen geprägt. Die Finanzpolitik hat dazu nicht unerheblich beigetragen. Die empirische Untersuchung hat gezeigt, dass in Deutschland die im Abgaben- und Transfersystem eingebauten automatischen Stabilisatoren seit Ende der siebziger Jahre wesentlich an Bedeutung verloren haben. Die Finanzpolitik trägt nun also weniger zur Glättung der Konjunktur bei als in den sechziger und siebziger Jahren und auch als in den USA. Im Gefolge der deutschen Vereinigung und der nachfolgenden Konsolidierung der öffentlichen Haushalte wirkte die Finanzpolitik in den neunziger Jahren zudem prozyklisch. Sie hat damit die Entfaltung einer kräftigen Wachstumsdynamik behindert.
Wolfgang Scheremet
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