Ein Mann, der mit seiner Vergangenheit hadert, lebt in einer vom Verfall bedrohten Gegend im Ostteil Berlins. Seine Arbeit hat er aufgegeben unter dem Vorwand, schreiben zu wollen. Längst aber interessiert er sich mehr für Blumen und Musik. Bei einem greisen Blumenhändler kauft er mit Fleischwasser zu ernährende Orchidee, „Subterrania“ genannt, die Unterirdische. Durch den Alten wird er in eine düstere Geschichte scheinbar vergangener Wirklichkeiten gezogen – über eine Judendeportation im Jahr 1942 und über Beethoven, dessen Werke angeblich von Fälschern erfunden seien. Auf die Fälschbarkeit der Realität antwortet das erzählende Ich, in dem es nach Künstlichkeit strebt – die Fiktion einer Identität zerfällt.
Wie die unheimliche Titelgeschichte in Wolfgang Hilbigs Prosaband ›Die Angst vor Beethoven‹ sind auch die anderen vier Erzählungen sprachmächtige Versuche, in einer als lebensfeindlich erfahrenen Wirklichkeit Position zu beziehen: Ein Nachtwächter fragt sich, ob Lyrik, die sich nur auf Reales bezieht, die menschliche Existenz angemessen darstellen kann (›Über den Tonfall‹). Ein Arbeiter, der neben seiner schlafenden Frau im Bett liegt, sieht sich doppelt: Ist er tatsächlich der Arbeiter oder einer, dessen Heimat Arkadien ist (›Der Nexus‹)? Ein Mann, der sich nach Veränderungen sehnt, bricht in die schäbige Wohnung seiner Mutter ein (›Der Gegner‹), und ein anderer übernachtet vor einer riesigen Bücherwand deren beißender Geruch in ihm Todesbilder weckt (›Der Geruch der Bücher‹).
Fünf phantastisch-beklemmende Nachtstücke, vorangetrieben vom Rhythmus einer suggestiven und präzisen Sprache.
Wolfgang Hilbig
Wolfgang Hilbig, geboren 1941 in Meuselwitz bei Leipzig, gestorben 2007 in Berlin, übersiedelte 1985 aus der DDR in die Bundesrepublik. Er erhielt zahlreiche literarische Auszeichnungen, darunter den Georg-Büchner-Preis, den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Bremer Literaturpreis, den Berliner Literaturpreis, den Literaturpreis des Landes Brandenburg, den Lessing-Preis, den Fontane-Preis, den Stadtschreiberpreis von Frankfurt-Bergen-Enkheim, den Peter-Huchel-Preis und den Erwin-Strittmatter-Preis.
Im S. Fischer Verlag erscheint die siebenbändige Ausgabe seiner Werke, 'eine der wichtigsten Werkausgaben der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur' (Uwe Schütte, Wiener Zeitung).Wolfgang Hilbig
WERKE
Band I GEDICHTE
Band II ERZÄHLUNGEN UND KURZPROSA
Band III DIE WEIBER – ALTE ABDECKEREI –
DIE KUNDE VON DEN BÄUMEN (Erzählungen)
Band IV EINE ÜBERTRAGUNG (Roman)
Band V 'ICH' (Roman)
Band VI DAS PROVISORIUM (Roman)
Band VII ESSAYS, REDEN, INTERVIEWSLiteraturpreise:1983 Brüder-Grimm-Preis
1985 Förderpreis der Akademie der Künste, Berlin
1987 Kranichsteiner Literaturpreis
1989 Ingeborg-Bachmann-Preis
1992 Berliner Literaturpreis
1993 Brandenburgischer Literaturpreis
1994 Bremer Literaturpreis
1996 Literaturpreis der Deutschen Schillerstiftung, Dresden
1997 Lessingpreis des Freistaates Sachsen
1997 Fontane-Preis der Berliner Akademie der Künste
1997 Hans-Erich-Nossack-Preis (Kulturkreis d. dt. Wirtschaft)
2001 Stadtschreiberpreis von Frankfurt-Bergen-Enkheim
2002 Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik
2002 Georg-Büchner-Preis
2002 Walter-Bauer-Literaturpreis der Stadt Merseburg
2007 Erwin-Strittmatter-Preis des Landes Brandenburg