Ehemalige Plünderer wurden Teil jener politischen Ordnung, die sie einst bekämpft hatten.
Die Wikinger blieben nicht dauerhaft reine Eroberer oder Plünderer. In vielen Regionen Europas wandelten sich skandinavische Kriegergruppen zu dauerhaften Siedlern, Herrschern und kulturellen Vermittlern zwischen unterschiedlichen Gesellschaften.
Dieses Buch untersucht die Prozesse der Integration und Kolonisierung während der Wikingerzeit. In England entstand mit dem Danelag ein Raum skandinavischer Herrschaft und rechtlicher Eigenständigkeit, während sich in der Normandie nordische Eliten schrittweise mit fränkischen Strukturen verbanden. Auch im Gebiet der Kiewer Rus entwickelten sich neue politische Ordnungen unter starkem skandinavischem Einfluss.
Besonderes Augenmerk gilt dem religiösen und sozialen Wandel dieser Gesellschaften. Mit der Christianisierung verloren viele traditionelle nordische Praktiken an Bedeutung, während neue dynastische und kulturelle Identitäten entstanden. Wikinger wurden dadurch Teil der mittelalterlichen europäischen Ordnung, die sie zuvor militärisch herausgefordert hatten.
Die Geschichte der Wikinger erscheint hier als Geschichte langfristiger Anpassung und kultureller Transformation weit über den Mythos des plündernden Kriegers hinaus.
Dieter Falkenrath
Spezialisiert auf Militärstrategie, Grenzkonflikte und europäische Staatskunst.
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