In einem Staat, der Weichheit verfolgt, schmilzt Sachbearbeiter Günter buchstäblich dahin – und muss sich zwischen Anpassung und Menschlichkeit entscheiden.
In einer nicht allzu fernen Zukunft hat sich das fiktive Kernland in einen Staat verwandelt, in dem Haltung alles ist – und zwar buchstäblich. Han van Loom entwirft in „Das Bruttoinlandssoma" eine absurd-komische Dystopie, in der die körperliche Festigkeit der Bürger direkt von ihrer ideologischen Standhaftigkeit abhängt. Wer mit fremdkulturellem Gedankengut in Berührung kommt, riskiert nicht nur gesellschaftliche Ächtung, sondern die physische Auflösung.
Günter Futtner, Sachbearbeiter in der Abteilung Haltungskontrolle, hat sein Leben lang Formulare ausgefüllt und die Regeln befolgt. Doch dann lauscht er drei Minuten und siebzehn Sekunden lang Édith Piafs „La Vie en rose" – und erwacht am nächsten Morgen mit Beinen aus Wackelpudding. Was als bizarre Körperreaktion beginnt, entwickelt sich zu einer grotesken Odyssee durch ein System, das Menschlichkeit mit Bürokratie erstickt und Gefühle als Staatsverrat behandelt.
Mit trockenem Humor und sprachlicher Präzision seziert van Loom die Mechanismen totalitärer Kontrolle. Seine Protagonisten sind keine strahlenden Helden, sondern gewöhnliche Menschen, die in einem absurden System gefangen sind – und deren körperliche Verflüssigung zur Metapher für den Verlust von Identität und Autonomie wird. Der Autor verbindet kafkaeske Elemente mit satirischer Gesellschaftskritik und erschafft eine Welt, die so überzogen wirkt, dass sie erschreckend vertraut erscheint.
„Das Bruttoinlandssoma" ist eine literarische Groteske für alle, die dystopische Literatur mit Witz schätzen und sich fragen, wie weit ein Staat gehen kann, wenn er nicht nur Gedanken, sondern auch Körper kontrollieren will. Ein „Weichfall" im besten Sinne – hart in der Kritik, weich im Herzen.
Han van Loom
Han van Loom ist eine Stimme der spekulativen Fiktion, die sich mit den Grenzen zwischen Normalität und Absurdität bewegt. Ihre Arbeiten erforschen gesellschaftliche Strukturen durch eine Linse von Verfremdung und dunklem Humor. Mit einem Faible für kafkaeske Narrative und subtile Gesellschaftskritik schafft van Loom Welten, in denen das Alltägliche ins Surreale gleitet. Ihre Texte zeichnen sich durch präzise Beobachtung menschlicher Verhaltensweisen und eine unverwechselbare stilistische Eigenwilligkeit aus. Han van Loom lebt und schreibt im deutschsprachigen Raum.
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