Es ist kein Akt der Selbstbestrafung. Das Gehirn hat lediglich gelernt, dass der physische Schmerz eines ausgerissenen Haares der schnellste Weg ist, um eine beruhigende Dosis Dopamin zu erzwingen.
Für Außenstehende wirkt es wie ein bizarres, selbstzerstörerisches Verhalten: Menschen, die sich stundenlang systematisch die eigenen Haare, Wimpern oder Augenbrauen ausreißen, bis kahle Stellen entstehen. Doch Trichotillomanie ist weder eine Form von Masochismus noch ein klassisches Symptom von Stress. Es ist ein tiefgreifender neurologischer Defekt im Zwangsspektrum.
Dieses Fachbuch dekonstruiert die Fehlfunktion der Basalganglien, die für die Filterung von motorischen Impulsen zuständig sind. Für Betroffene löst das Ausreißen der Haare paradoxerweise eine massive, beruhigende Welle von Dopamin aus. Das Gehirn nutzt diesen physischen Schmerz als hochwirksamen, sensorischen Kurzschluss, um emotionale Übererregung oder extreme Langeweile künstlich zu regulieren.
Wir beleuchten die klinischen Herausforderungen der Behandlung, die Scham der Patienten und die verhaltenstherapeutischen Strategien (Habit-Reversal-Training), die notwendig sind, um diese fest verdrahtete motorische Schleife physisch zu durchbrechen.
Blicken Sie hinter die Kulissen der Impulskontrolle. Ein detailliertes medizinisches Profil einer Störung, bei der der Körper sich selbst buchstäblich Stück für Stück demontiert, um innere Ruhe zu finden.
Annaliese Zahn
Author
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