In Gottfried Kellers Novelle „Der Landvogt von Greifensee“ trifft historische Amtspflicht auf die wehmütige Inventur eines Junggesellenlebens.
In Gottfried Kellers Novelle „Der Landvogt von Greifensee“ trifft historische Amtspflicht auf die wehmütige Inventur eines Junggesellenlebens. Salomon Landolt, der gerechte und allseits beliebte Landvogt, lädt die fünf Frauen, um die er in seiner Jugend vergeblich geworben hat, gleichzeitig auf sein Schloss ein. Was als skurriles Experiment beginnt, entfaltet sich zu einem meisterhaften Panorama menschlicher Lebenswege und verpasster Gelegenheiten. Mit feinsinnigem Humor und der für den poetischen Realismus typischen melancholischen Heiterkeit lässt Keller die fünf „Verflossenen“ ihre eigenen Geschichten erzählen. Das Werk ist weit mehr als eine anekdotische Rückschau; es ist eine kluge Hommage an die Unvorhersehbarkeit des Herzens und die versöhnliche Erkenntnis, dass auch ein unkonventioneller Lebensweg seine ganz eigene Erfüllung finden kann.
Gottfried Keller
Gottfried Keller (1819–1890) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des bürgerlichen Realismus. Der gebürtige Zürcher suchte seinen Weg zunächst als Landschaftsmaler in München, bevor er sich in Heidelberg und Berlin der Literatur zuwandte. Seinen literarischen Durchbruch feierte er mit dem monumentalen Bildungsroman „Der grüne Heinrich“, der stark autobiografische Züge trägt.
Berühmt wurde Keller vor allem für seine Novellenzyklen wie „Die Leute von Seldwyla“, in denen er mit psychologischem Scharfblick und feiner Ironie das schweizerische Kleinstadtleben und die menschliche Natur porträtierte. Neben seinem Schaffen als Schriftsteller diente er über 15 Jahre lang als Erster Staatsschreiber des Kantons Zürich.
Schweizer Literatur Klassiker Gottfried Keller Realismus Novelle Salomon Landolt Liebe