Traktor fahren statt Welt retten. Warum wir im Feierabend die Krawatte ablegen, um virtuell in den Blaumann zu schlüpfen.
Während die Welt Drachen tötet oder Terroristen jagt, erntet Deutschland virtuellen Weizen. Der Medienwissenschaftler Janosch Beck untersucht in „Simulator-Nation“ das Phänomen der „Arbeits-Simulatoren“. Vom Landwirtschafts-Simulator bis zum Euro Truck Simulator – Spiele, die harte Arbeit minutiös nachbilden, sind hierzulande Bestseller.
Beck analysiert die psychologische Faszination: In einer komplexen, unübersichtlichen Welt bieten diese Spiele Ordnung, klare Aufgaben und sichtbaren Fortschritt („Das Feld ist gepflügt“). Er nennt dies „Zen-Gaming“. Es ist der Gegenentwurf zum stressigen Büroalltag, wo Ergebnisse oft abstrakt bleiben.
Das Buch wirft einen liebevollen Blick auf die Community, die tausende Euro für Lenkräder und Joysticks ausgibt, um möglichst realistisch LKW zu fahren. Beck argumentiert, dass diese Spiele Ausdruck einer tiefen deutschen Sehnsucht nach Romantik, Technik und der Beherrschbarkeit der Welt sind.
Janosch Beck
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