Sie stahlen nicht nur Worte und Gedanken, sie stahlen den Duft. Die unheimliche Geschichte der Geruchs-Bibliothek der DDR.
Es klingt wie eine dystopische Fiktion, war aber bittere Realität: Das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) der DDR legte ein riesiges Archiv an Gerüchen an. Der Historiker Jens Kogler öffnet in „Der Geruch des Verrats“ die Schränke der Vergangenheit, in denen Tausende von Einmachgläsern lagerten – gefüllt nicht mit Obst, sondern mit gelben Staubtüchern, die den Körpergeruch von Dissidenten, Punks und „Staatsfeinden“ konservierten.
Kogler erklärt minutiös das Verfahren: Verdächtige wurden bei Verhören auf präparierten Stühlen platziert, um ihren Duft aufzufangen. Dieser wurde luftdicht versiegelt, damit speziell trainierte Geruchshunde die Personen im Ernstfall noch Jahre später aufspüren konnten.
Das Buch ist eine Mischung aus technischer Dokumentation und psychologischem Horror. Es zeigt den paranoiden Wahn eines Überwachungsstaates, der versuchte, selbst die unsichtbare Aura des Menschen zu archivieren. Kogler interviewt ehemalige Hundeführer und Opfer und zeigt, wie tief der Staat in die Intimsphäre eindrang. Ein beklemmendes Dokument deutscher Geschichte, das zeigt, dass die Stasi vor nichts Halt machte – nicht einmal vor der Luft, die man atmete.
Jens Kogler
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