In einer Feldrecherche berichtet der Autor, wie die politischen Entscheidungsprozesse in einer neuen politischen Kraft sich entwickeln und dann wieder unterdrückt werden.
In dem Buch liest man die Geschichte eines Mitglieds, wie er sich in einer neuen Partei engagiert, wie die Prozesse in der Partei ablaufen, und wie die Entscheidungen gefällt werden.
"Als ich begann mich mit den Piraten zu beschäftigen, wusste ich nicht, dass die PDS
schon 2001 einen virtuellen „17. Landesverband“ gegründet hatte, der politische
Beteiligung über das Internet ermöglichen bzw. erleichtern sollte. 3 Auch die FDP
hatte und hat immer noch ihr LV Net und sogar die CDU ihre virtuelle Plattform
Wahlkreis 300. Und ich befürchte, dass der größte Teil der mit vielen Hoffnungen und
Ideen in die Piratenpartei eingetretenen Mitglieder das ebenso wenig wusste. Insbesondere
konnten die Interessenten nicht ahnen, aus welchen Gründen in praktisch
allen Parteien diese Initiativen weitgehend gescheitert waren. Denn diese Gründe
fand man nicht in Wikipedia. Sie wurden schamhaft verschwiegen:
Verrohung der Kommunikationskultur
Erhöhung innerparteilicher Spannungen
Unzureichende oder falsche technische Konzepte
Fehlende Brücke zwischen digitaler und analoger Welt.
Fehlende gesetzliche Grundlagen
Und selbst wenn ich es gewusst hätte, wäre ich sicher nicht davon ausgegangen, dass
in der Piratenpartei 10 Jahr später immer noch die gleichen Gründe zu einem Scheitern
führen würden.
Dass dieses Buch in erster Linie vom Versagen der Piraten handelt ist eher ein Zufall.
Genauso gut könnte es über die fehlende Akzeptanz von Adhocracy 4 oder den Untergang des 17. Landesverbandes der PDS berichten. Aber in den letzten drei Jahren
lernte ich aus den Fehlern der Piraten sehr viel mehr. Und das möchte ich schon ganz
zu Beginn erklären: Es war nicht der grundsätzliche Gedanke falsch, der hinter der
Schaffung des 17. LV der PDS oder der Gründung der Piraten steckte. Es war vielmehr
die ideologisch unüberbrückbare Differenz von Vertretern einer analogen Welt einerseits
und einer schönen digitalen Welt andererseits, die daran schuld war.
Jo Menschenfreund
Mitglied der Piratenpartei, Gründer der AG Friedenspolitik
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