Rebekka nimmt uns mit in ihre deutsch-jüdische Kindheit der 60er Jahre, die durch die Gewalt ihres traumatisierten Vaters und die Diskriminierung des Mädchens seitens ihrer Umwelt geprägt wird.
Rebekka wird 1964 nur deshalb in ihre dysfunktionale, deutsch-christliche, jüdisch-polnische Familie geboren, weil es für die geplante Abtreibung zu spät ist. Ihre vom Krieg und Verfolgung gezeichneten Eltern haben sich in dem DP Camp „Föhrenwald“ kennengelernt und leben jetzt mit anderen Juden, die zu alt oder krank waren ins Ausland zu emigrieren, in einem Siedlungsblock in Frankfurt.
Ihre Welt ist die 2-Zimmer-Sozialbauwohnung, in der der despotische und psychisch kranke Vater die Familie quält. Sie selbst bleibt zunächst verschont, da der Patriarch mit ihr ein sexuell konnotiertes Zweierbündnis aufbaut. Bald ist jedoch auch Rebekka seinen Übergriffen ausgesetzt und vermag keinen Schutz mehr in dem symbiotischen Beziehungsgeflecht von Mutter und Schwester zu finden.
Ihre Außenseiterstellung ist jedoch nicht auf die Familie begrenzt, da sie von den deutschen Nachbarn wegen ihres jüdischen Vaters und von den jüdischen aufgrund der deutschen Mutter diskriminiert wird. Dies setzt sich auch in der Schule fort, wo ihr patriarchales Familiengefüge auf den antiautoritären Geist der 70er Jahre prallt. Aus Scham und weil ihr bewusst ist, dass sie ihr jüdisch sein und ihre Parallelwelt verbergen muss, beginnt Rebekka zu lügen. Erst sind es nur kleine Unwahrheiten, die ihr ein Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln, doch dann werden sie immer größer und isolieren sie zusätzlich. Aus Frustration isst sie Unmengen und wird nun auch noch wegen ihres Dickseins zum Gespött ihrer Mitschüler.
Der Einzige, der ihr beizustehen scheint, ist ihr Schwager, der die Situation jedoch lediglich für einen sexuellen Missbrauch nutzt.
Mit 16 gelingt es Rebekka, mit Hilfe ihres ersten Freundes, auszuziehen. Aber die erhoffte Befreiung erweist sich als Trugschluss, da sie selbst schwer an Depressionen erkrankt und ihr ihr Vater die Bürde seines Suizides mit auf den neuen Lebensweg gibt.
Rebekka Eigenfeld
Rebekka wurde 1964 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Abitur lebt sie zunächst ein Jahr in Israel, bevor sie in Deutschland Jura, Sozialpädagogik, Psychologie und Soziologie studiert. Seit Anfang 1991 ist sie als Richterin im Staatsdienst tätig. Sie ist verheiratet, Mutter zweier Kinder und wohnt seit fünfundzwanzig Jahren im Main Taunus Kreis.
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