Rudyard Kipling ist der Autor des Kinderbuchklassikers Das Dschungelbuch. Er war der Sänger des Abenteuers, der Exotik und der männlichen Bewährung. Wie kein anderer verkörperte er die Ideale der imperialistischen Epoche. 1907 erhielt er als erster Engländer den Literaturnobelpreis. Kiplings Leben ist von Extremen und Schicksalsschlägen geprägt. Dem Weltruhm folgten scharfe Kritik, literarischer Niedergang und schließlich Vergessen. Die Biographie und das Werk bergen auch für deutsche Leser eine Vielzahl von Einsichten in eine Welt, die zwar vergangen, aber für uns nicht bedeutungslos ist.
Seit über 100 Jahren begeistert Das Dschungelbuch Leser weltweit. Auch in Deutschland ist der Kinderbuchklassiker populär, ohne dass über den Autor viel bekannt wäre. Dabei ist Rudyard Kipling nicht nur ein bedeutender Schriftsteller, sondern auch eine zentrale Gestalt der jüngeren englischen Geschichte mit großer Ausstrahlung. Seine Biographie ist reich an Schicksalsschlägen, Extremen und Widersprüchen. In Indien geboren, wuchs er in jungen Jahren zum Sänger des British Empire heran. Lange Zeit umgab ihn eine Aura beispiellosen Ruhms. Er wurde mit Shakespeare und Dickens verglichen und erhielt als erster Engländer den Nobelpreis für Literatur. Umso dramatischer war sein Niedergang in der zweiten Lebenshälfte. Krank und angefeindet starb er weitgehend vergessen. Und doch haben sich Autoren unterschiedlichster Überzeugungen wie H.G. Wells, T.S. Eliot, Orwell, Hemingway, Brecht und Borges zu Kipling als Vorbild bekannt. Es lohnt sich, diesen widersprüchlichen Autor der Vergessenheit zu entreißen und seine Reputation neu zu bewerten. Nicht nur die englische Literatur verdankt seinem Werk viel Bleibendes. Seine Person ist aus der Kulturgeschichte Großbritanniens nicht wegzudenken.
Stefan Welz