In modernen Gesellschaften finden okkulte und satanistische Praktiken und Vorstellungen nach wie vor Akzeptanz in der Bevölkerung. Allerdings sind neben die bekannten und organisierten Formen wie Orden
und Logen die medien- und musikvermittelten Jugendszenen getreten. Das Buch wendet sich in diesem Zusammenhang exemplarisch der deutschen "Gothic-Szene" zu und untersucht deren Gruppenstrukturen sowie die Passungskonstellationen und Integrationsdynamiken von Szene und Mitgliedern. Darüber hinaus werden typische Vergemeinschaftungsformen und Deutungsmuster, wie sie innerhalb der Kultur der Gothics
vorherrschend sind, auf religionssoziologische Erklärungsmodelle bezogen. Gefragt wird unter anderem, inwiefern das Phänomen "Gothic" als moderne, individualisierte und an medialen Vorlagen ausgerichtete Form von Religion bzw. Religiosität begriffen und damit als eine spezifische Manifestationsform von "unsichtbarer Religion" (Luckmann), "Religionsbricolage" (Helsper) oder "neuer religiöser Bewegung" (Knoblauch) gewertet werden kann.
Ausgangspunkt der vorliegenden Studie ist das Phänomen des jugendzentristi schen Satanismust, in dessen Umfeld Problemjugendliche vermutet werden, die sich an satanistischem Gedankengut orientieren. In einschlägigen Survey-Stu 2 dien erfuhr dieser Problemkomplex nur wenig Behandlung , da ein eklatanter Mangel an Wissen über die Konstitution und Funktionsweise von (Jugend-)Sze nen herrscht, in denen okkulte und/oder satanistische Orientierungen bzw. Pra xen eine Rolle spielen. Ohne ein solches Wissen bleibt allerdings unklar, inwie fern bestimmte Ästhetiken auch bestimmte Wertvorstellungen und v. a. Hand lungspraxen implizieren, ob die Szenen hinsichtlich Überzeugungen und Hand lungspraxen in sich homogen sind oder ob entscheidende Differenzen existieren, und wenn ja, wie diese sich äußern. Darüber hinaus bleibt ungewiss, wie sata nistisches Gedankengut angeeignet wird, d. h. ob mit solchen Ideologien und Ästhetiken bloß kokettiert wird, ob sie umgedeutet oder orthodox ausgelegt 3 werden. Einflussreichstes Beispiel für die Nähe von jugendkulturellen Szenen zu sa tanistischen Orientierungen und Gedankengut ist die so genannte ,schwarze Szene', auch als ,Gruftie-' oder ,Gothic-Szene' bezeichnet. Die Szene existiert bereits seit den 1980er Jahren und geriet seither immer wieder in Verdacht, sich auf satanistisches und/oder rechtsradikales Gedankengut zu stützen. Sie hat 1 Im Unterschied zu geschlosseneren Fonnen des Satanismus wie Logen oder Orden (vgl. Deutscher Bundestag 1998). 2 Vgl. etwa Deutscher Bundestag 1998. 3 Prominentestes Beispiel, an dem solche Differenzierungen scharf zu Tage treten und sich prototypisch illustrieren lassen, ist der so genannte ,Ritualmord von Witten' (06. 07.
Die erste fundierte Untersuchung zu einer wichtigen Jugendkultur
In der modernen Gesellschaft finden okkulte und satanistische Praktiken und Vorstellungen nach wie vor Akzeptanz in der Bevölkerung. Allerdings sind neben die bekannten Formen der geschlossenen Gruppenorganisationen (Loge, Orden) neue, offene Formen, die medien- und musikvermittelten Jugendszenen, getreten. Das Buch wendet sich in diesem Zusammenhang exemplarisch der deutschen "Gothic-Szene" zu und untersucht in synchroner Perspektive deren Gruppenstrukturen, typische Habitusformationen von Gruppenmitgliedern sowie die Passungskonstellationen und Integrationsdynamiken von Szene und Mitgliedern. Darüber hinaus werden typische Vergemeinschaftungsformen und Deutungsmuster, wie sie innerhalb der Kultur der Gothics vorherrschend sind, auf religionssoziologische Theorieentwicklungen bezogen.
Klaus Neumann-Braun
Black Metal Jugendkultur Jugendszene Satanismus
"Dass diese Studie eine weite Verbreitung findet, ist ihr zu wünschen." Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 03/2006
"[...] von solchen wissenschaftlichen Analysen sollte man sich nicht [...] abschrecken lassen. Die Studie erweist sich nämlich als überaus fundiert und gewährt faszinierende Einblicke in die schwarze Szene." Zillo, 11/2005
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