Friedrich Nietzsches Philosophie zeichnet sich dadurch aus, daß sie sprachliche Phänomene in ihrem Bezug zu Leiblichkeit deutet und umgekehrt die symbolische Verfassung des Leibes hervorhebt. Die vorliegende Studie rekonstruiert Nietzsches Leib- und Sprachphilosophie und nimmt dabei auf einen von Nietzsche selbst reformulierten Begriff von Subjektivität Bezug. Anders als neuzeitliche Deutungen, die das Wesen des Subjekts in die Vorstellung setzen, interpretiert Nietzsche das Selbst als Leiblichkeit. Die Logik subjektiver Entwicklungsvorgänge erkennt er nicht in der Idealität des vorstellenden, selbstreflexiven Ichs; sie soll vielmehr der empirisch rekonstruierbaren Materialität der Sprache entnommen werden. Die Konstitution des Subjekts durchsichtig zu machen bedeutet also, Leib und Sprache als zusammengehörige und nur zu Zwecken der Analyse voneinander zu trennende Momente eines Geschehens der Selbstbildung zu begreifen.
Christof Kalb
19. Jahrhundert Anthropologie Entwicklung Friedrich Nietzsche Leibphilosophie Literatur Sprachphilosophie Vitalismus STW 1468 STW1468 Taschenbuch suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1468