Man könne auch als Literaturwissenschaftler durchaus über Bücher reden, ohne jemals eines gelesen zu haben – mit solch provokanten Thesen bringt Franco Moretti seit Jahren die internationale Literaturtheorie durcheinander. In seinem neuen Buch demonstriert Moretti, der ob seiner innovativen Verve bereits mit Umberto Eco verglichen wird, wie eine »abstrakte Literaturwissenschaft« aussehen könnte: Anstatt sich mit einzelnen kanonischen Texten auseinanderzusetzen, kartographiert er die Landschaft englischer Dorfgeschichten oder erprobt die Anwendbarkeit evolutionstheoretischer Konzepte auf die Entwicklung des Detektivromans.
Franco Moretti
Franco Moretti, geboren 1950, lehrt an der Stanford University, wo er das Center for the Study of the Novel leitet. Durch den Einsatz quantitativer Methoden zur Analyse riesiger Mengen von Büchern provoziert er immer wieder die klassische Literaturwissenschaft. Im Suhrkamp Verlag ist zuletzt erschienen Kurven, Karten, Stammbäume. Abstrakte Modelle für die Literaturgeschichte.
Fach Literaturgeschichte Romantheorie edition suhrkamp 2564 ES 2564 Taschenbuch ES2564 La letteratura vista da lontano 2003. Graphs Maps Trees. Abstract Models for Literary History deutsch National Book Critics Circle Award for Criticism 2013
»Der italienische Literaturwissenschaftler und Essayist Franco Moretti ist für seine unkonventionelle Denkweise bekannt. In Kurven, Karten, Stammbäume vermisst er stilistisch gekonnt die Literaturgeschichte neu und zeigt, dass es möglich ist, Literatur mit Methoden aus anderen Disziplinen zu beschreiben und zu verblüffenden Resultaten zu gelangen. ... Moretti schreibt argumentativ gewandt, stilistisch schnell und elegant.«
Andreas M.Widmann ()