Die Antike war die Epoche der Hauswirtschaft. Moritz Hinsch vertritt diese alte These für das klassische Griechenland mit grundlegend neuer Ausrichtung. Der Haushalt blieb die zentrale wirtschaftliche Organisationseinheit, gerade weil seine flexible institutionelle Ordnung die Anpassung an die expandierende Geldwirtschaft im Mittelmeerraum erlaubte. Auch die philosophischen Abhandlungen zur Ökonomik, der Kunst der Haushaltsführung, bewertet Hinsch neu. Diese Texte waren keine praktischen Fachbücher, aber sie geben Auskunft über Grundprinzipien der griechischen Hauswirtschaft. Sie waren literarisch gestaltete Beiträge zu einem normativen Diskurs über Reichtum und Erwerb. Die Zeitgenossen der klassischen Zeit empfanden diese Themen zunehmend als problematisch, weil die gesteigerte Statuskonkurrenz alle Haushalte dazu zwang, effizienter zu wirtschaften und ihren Nutzen zu maximieren. Die zu diesem Zweck verfolgten Strategien waren komplex: Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in der Ehe, Kooperation unter Verwandten und der rationalisierte Einsatz von Sklaven, aber auch die Investition in soziales und symbolisches Kapital durch ostentativen Konsum und ehrenhaftes Geschäftsgebaren.
Moritz Hinsch
Moritz Hinsch ist Althistoriker an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der griechisch-römischen Welt vom 6. Jh. bis zum 1. Jh. v. Chr.
Altersspezifische Arbeitsteilung Alte Geschichte Antike Sklaverei Aristoteles’ Theorie des oikos Aristoteles' Theorie der naturgemäßen Sklaverei Autarkie und Subsistenzwirtschaft Bücher-Meyer-Kontroverse Buchführung und Rechnungswesen Wirtschaft des klassischen Griechenlands Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in der Ehe Handel und Wirtschaft im alten Griechenland Haushalt und Verwandtschaft Hausväterliteratur Hauswirtschaft und Familienwirtschaft Konvertierung von sozialem Kapital