Der Vormoderne war die Religion selbstverständlich. Je nach Kulturstand hatte sie verschiedene Formen und Gestaltungen. Kennzeichnend für die mittelalterliche Frömmigkeit ist, dass die Buchreligion Christentum in eine orale Gesellschaft vor-drang und diese umgestaltete: Schreiben und Lesen, Philosophie und Theologie entwickelten sich. Die Religionspraxis bildete dabei vielerlei Spielarten aus: Reli-quien-Verehrung, Blutkulte, Stiftungswesen, Ablass, Passionsfrömmigkeit – insge-samt ein Gemisch, das nicht immer als genuin christlich gelten kann. Eben in dieser Vermengung von vielerlei Elementen liegt die Spannung; zum Ende des Mittelal-ters erwächst eine geradezu explosive Mischung. Dies ansichtig zu machen gelingt – entgegen der Vorgehensweise der älteren Forschung, die allzu oft konfessionell und national urteilt – erst aus einer religions- und sozialgeschichtlichen Perspekti-ve, der sich Arnold Angenendt vorzugsweise widmet.
Arnold Angenendt ist emeritierter Professor für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Münster
Arnold Angenendt
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