Im Horizont des um 1800 erstarkenden Zeitbewusstseins etabliert sich die Erinnerung als ein zentraler Gegenstand der deutschsprachigen Lyrik. Das Genre der Erinnerungslyrik wird in dieser Arbeit erstmals systematisch erschlossen. Im Fokus der Untersuchung stehen Erinnerungsgedichte, in denen Erinnerungsakte, -orte und -objekte inszeniert werden. Ebenso kommen Formationen von Erinnerung in den Blick, die sich in der Geschichts-, Denkmals- und Trauerlyrik herausbilden. In zwei Fallstudien werden avancierte Erinnerungsgedichte August von Platens und Eduard Mörikes analysiert.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts avanciert die Erinnerung zu einem zentralen Gegenstand der deutschsprachigen Lyrik. Das bislang in der Forschung weitgehend marginalisierte Genre der Erinnerungslyrik wird in der vorliegenden Arbeit erstmals systematisch erschlossen. Die Untersuchung ist zum einen auf die lyrische Inszenierung von Erinnerungsakten, -orten und -objekten ausgerichtet. Zum anderen wird diskutiert, inwieweit sich insbesondere in der Geschichts-, Denkmals- und Trauerlyrik erinnerungspoetische Formationen herausbilden. Die künstlerisch anspruchsvollen und zeitreflexiven Erinnerungsgedichte August von Platens und Eduard Mörikes werden in zwei eigenständigen Fallstudien behandelt.
Nikolas Immer
Erinnerungslyrik Poetologie Gattungstheorie Gattungspoetik Narrativität Temporalität Heinrich Heine Chamisso Isolde Kurz Felix Dahn Emanuel Geibel Platen Mörike
“... Dem Verfasser gelingt es auf der Grundlage eines großen Textfundus, den er exemplarisch ausleuchtet, den spezifischen Gehalt und die Strukturform des Erinnerungsgedichts herauszuarbeiten. Seine Analysen und Interpretationen, die sich immer auf dem Stande der aktuellen Forschungen bewegen,überzeugen die Leser von der Existenz eines lyrischen Genres, welches man bisher nicht so recht wahrgenommen hatte. Nach der nun vorliegenden Arbeit von Immer wird man nicht mehr anders können, als das Erinnerungsgedicht als eigenständiges Genre anzuerkennen.” (Uwe Hentschel, in: Informationsmittel für Bibliotheken, informationsmittel-fuer-bibliotheken.de, Jg. 32, Heft 2, 2024)