Nach ,Zauberbergmusik' (1975) legt der Verfasser nun einen zweiten Band über Thomas Mann vor. Der größte Beitrag ist dem 'Doktor Faustus' gewidmet. Eine ebenfalls umfangreiche Interpretation von 'Buddenbrooks' zeigt, daß es sich bei der im 'Doktor Faustus' leitenden geheimen Identität der Protagonisten um eine Idee handelt, die keimhaft schon im Jugendroman vorhanden ist und dort ebenfalls den Schlüssel zu dem unter der Oberfläche des Familien-Verfalls steckenden Sinn ist. Doch bedeutet der Titel dieses zweiten Bandes nicht, daß Thomas Mann einseitig als Verfasser von Verfallsgeschichten gesehen wird. Es wird damit nur darauf hingewiesen, daß hier die Interpretationen solcher Werke und Themen vereinigt wurden, bei denen der tragische Aspekt dominiert. Ein Eingangskapitel zeigt anhand einer frühen Erzählung und der Jugendbriefe, daß jene ganze Welt, die wir im Rückblick als die Einheit von Thomas Manns Lebenswerk zu konstatieren vermögen, in nuce bereits vor 'Buddenbrooks' vorhanden ist. Eine werkimmanente Interpretation des 'Vorsatzes' zum 'Zauberberg' ergänzt, zusammen mit einer Analyse der Tagebücher von 1918- 21, den früheren Band. Diese Tagebücher sind in psychologischer und politischer Hinsicht besonders aufschlußreich, und nicht nur für den in dieser Zeit wieder aufgenommenen 'Zauberberg'.
Inhalt: Die Welt in der Nuß - Thomas Manns Anfänge. Vom Fatum der Dekadenz und von der Freiheit der Kunst: 'Buddenbrooks'. Eros und Politik - Die Tagebücher von 1918- 21. Der 'Vorsatz' zum 'Zauberberg'. Radikale Autobiographie und Allegorie der Epoche - 'Doktor Faustus'
Eckhard Heftrich