Ein subversiver Entwicklungsroman voller Witz und Erotik im sozialistischen Prag der 60er und 70er Jahre.
Georg wächst in der schönsten Wohngegend Prags auf, leider zur Zeit des politischen Terrors, der überirdischen Atomversuche und später des Reformversuchs von '68. Zwischen Tanten mit Kriegstraumata, dem tyrannischen Onkel ONKEL und seiner überstrahlend-schönen Mutter bleibt ihm nur die Flucht nach vorn. In einer Stadt voller unsozialistischer Elemente wie gewalttätiger Müllmänner und sexbesessener Fremdgänger nutzt Georg alle sich bietenden Freiräume, um auszubrechen: Er experimentiert mit hochexplosiven Substanzen, verbringt die Nachmittage mit wilden Jugendcliquen und findet im Kreis der Familie schließlich auch eine Geliebte.
Als Georg nach der Okkupation des Landes den kulturellen Niedergang miterlebt und sich der Prager Dissidentenszene nähert, wird ein geschasster Intellektueller, der sich trotz seiner Blindheit wie ein Sehender in der Stadt bewegt, zu seinem Wunschvater. Indem Jan Faktor in Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag Georg selbst erzählen lässt, macht er das Erzählen zu einem zweiten subversiven Akt – und führt damit den Entwicklungs- und den Gesellschaftsroman zusammen. So entsteht ein hellsichtiges Porträt einer Stadt und ein vor Witz strotzendes Psychogramm einer Familie.
Jan Faktor
Jan Faktor, 1951 in Prag geboren, 1978 Übersiedlung nach Ostberlin. Arbeit als Kindergärtner und Schlosser. Entdeckt in den 80er-Jahren das »Rückläufige Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache« für die experimentelle Dichtung. Bis 1989 fast ausschließlich in der inoffiziellen Literaturszene engagiert. 1989/90 Mitbegründer der Zeitung des Neuen Forums.
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»Kein Zweifel: [...] diese hochnotkomische Phänomenologie des sozialen Wohnens im Sozialismus, das eindringliche Porträt des Prags seiner Jugendjahre [...] ist Jan Faktors Opus magnum.«
Felicitas von Lovenberg ()
»Ein echtes Berserkerbuch aus dem Bergwerk der Wahrhaftigkeit.«
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»Jan Faktors saftiger Schelmen- und Entwicklungsroman macht die Hoffnungen des Prager Frühlings und die Enttäuschungen der Menschen geradezu körperlich spürbar.«
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»Dieses Buch ist [...] mehr als ein solches. Es ist ein ganzes Leben, das nur so [...] zu jener sinnhaften Form zusammentritt, die es vorher schmerzlich entbehrte.«
Burkhard Müller ()
»Bei wenigen unserer deutschen Gegenwartsautoren haben Fantasie, Witz und Subversion ein vergleichbares Format. [...] ein beträchtliches Stück Literatur.«
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