Ein ödipales Vergnügen – Jan Faktors erotischer Entwicklungsroman über Widerstände, Schmutz und Schönheit im Prag der 50er bis 70er Jahre
Georg wächst in der schönsten Wohngegend Prags in einem summenden Frauenhaushalt auf. Leider zur Zeit des politischen Terrors, der überirdischen Atomversuche und später des gescheiterten Reformversuchs von '68. Zwischen Tanten mit Kriegstraumata, dem tyrannischen ONKEL und der überstrahlend-schönen Mutter bleibt ihm nur die Flucht nach vorn.
In einer Stadt voller gewalttätiger Müllmänner, 50-ccm-Motorradcowboys und sexbesessener Fremdgänger nutzt Georg alle sich bietenden Freiräume, um auszubrechen: Er experimentiert mit hochexplosiven Substanzen, verbringt die Nachmittage mit wilden Jugendcliquen und findet im Kreis der Familie schließlich auch eine Geliebte. In einer Gesellschaft, die von den Rändern her vergammelt, bekommt das Körperliche eine befreiend-subversive Bedeutung.
Als Georg nach der Okkupation des Landes den kulturellen Niedergang miterlebt und sich der Prager Dissidentenszene nähert, wird ein geschasster Intellektueller zu seinem Wunschvater. Doch die Frage, ob er wirklich glücklich werden wird, beantwortet sich erst bei einer zufälligen Begegnung auf der Straße. Georgs Sorgen um die Vergangenheit ist ein vor Witz strotzendes Psychogramm einer Familie und ein hellsichtiges Porträt Prags in der sozialistischen Ära.
Jan Faktor
Jan Faktor, 1951 in Prag geboren, 1978 Übersiedlung nach Ostberlin. Arbeit als Kindergärtner und Schlosser. Entdeckt in den 80er-Jahren das »Rückläufige Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache« für die experimentelle Dichtung. Bis 1989 fast ausschließlich in der inoffiziellen Literaturszene engagiert. 1989/90 Mitbegründer der Zeitung des Neuen Forums.
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»Kein Zweifel: [...] diese hochnotkomische Phänomenologie des sozialen Wohnens im Sozialismus, das eindringliche Porträt des Prags seiner Jugendjahre [...] ist Jan Faktors Opus magnum.«
Felicitas von Lovenberg ()
»Ein echtes Berserkerbuch aus dem Bergwerk der Wahrhaftigkeit.«
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»Jan Faktors saftiger Schelmen- und Entwicklungsroman macht die Hoffnungen des Prager Frühlings und die Enttäuschungen der Menschen geradezu körperlich spürbar.«
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»Dieses Buch ist [...] mehr als ein solches. Es ist ein ganzes Leben, das nur so [...] zu jener sinnhaften Form zusammentritt, die es vorher schmerzlich entbehrte.«
Burkhard Müller ()
»Bei wenigen unserer deutschen Gegenwartsautoren haben Fantasie, Witz und Subversion ein vergleichbares Format. [...] ein beträchtliches Stück Literatur.«
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