Wie lässt sich Pflege so gestalten, dass sie Selbstbestimmung stärkt statt bevormundet? Johann Behrens legt eine historisch-anthropologisch fundierte Theorie vor, die Pflege- und Therapieberufe neu denkt. Im Zentrum steht eine Perspektivenumkehr: Nicht körperliche Selbstständigkeit, sondern Autonomie und Teilhabe der Klientinnen bilden den Zielhorizont professionellen Handelns. Behrens verknüpft Systemtheorien, phänomenologische Erkenntnismodelle und die ICF der WHO zu einem kohärenten Theoriegebäude.
Methodologisch unterscheidet das Buch zwischen externer Evidence – verallgemeinerbarem Wissen aus Studien – und interner Evidence, dem im Dialog zu erschließenden Wissen über individuelle Lebensziele und Ressourcen. Beide werden in einer hermeneutischen Spirale zusammengeführt, die ethisch verantwortungsvolle Entscheidungen ermöglicht. Historisch spannt der Autor den Bogen von der antiken Diätetik bis zu Fragen der Professionalisierung und Ökonomisierung im Gesundheitswesen. Paternalistische Begrifflichkeiten werden kritisch hinterfragt, alternative Konzepte entwickelt.
Das Buch richtet sich an Studierende, Lehrende und Forschende der Pflege- und Therapiewissenschaften sowie an Akteur*innen der Gesundheitspolitik. Es eignet sich als Grundlagenwerk für eine evidenzbasierte, teilhabeorientierte Praxis.
Johann Behrens
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