Im Alter von 85 Jahren schrieb der berühmteste Vertreter der Technischen Mechanik des 20. Jh. Stepan P. Timoshenko (1878 - 1972) seine Lebenserinnerungen nieder. In russischer Sprache 1963 in Paris erschienen, wurde das Werk 1968 auch ins Englische übersetzt. Nun liegt der Lebensweg des Ingenieurwissenschaftlers und Hochschullehrers erstmals in deutscher Übersetzung vor. Eingebettet in die fachlichen, historischen, politischen, kulturellen Zusammenhänge der Lebensstationen zwischen Ukraine und Kalifornien erwächst vor dem Leser das Leben einer Ingenieurpersönlichkeit - ausgezeichnet durch Humanität, Prinzipienfestigkeit, Unternehmergeist, Redlichkeit, Fleiß. Vor allem die Lern- und Lehrerfahrungen aus zahlreichen Ländern, die Einblicke in die "Ingenieurwerkstatt" des Meisters sind für den durch ein Ingenieurstudium vorgebildeten Leser von Interesse. Timoshenko sah die besondere Verbindung von Theorie und Praxis in den Ingenieurwissenschaften: das Hauptsächliche einer zu untersuchenden Erscheinung zu erfassen und die gestellte Aufgabe mit minimalem mathematischen Aufwand zu lösen.
Albert Duda
Bauwesen Geschichte Maschinenbau
Man kann dem Verlag nur gratulieren, daß er die Lebenserinnerungen Timoshenkos (1878-1972) in der sorgfältigen, mit klärenden Anmerkungen versehenen Übersetzung von Albert Duda für die deutschen Ingenieure greifbar gemacht hat.Abgesehen von einigen Aufsätzen in deutschen Fachzeitschriften gibt es lediglich zwei ins Deutsche übersetzte Bücher.Die Einschätzung Dudas, Timoshenkos Denken und Handeln sei geprägt von Humanität, Prinzipienfestigkeit, Redlichkeit, Gerechtigkeitssinn und unermüdlichem Fleiß, so überschwenglich sie klingen mag, wird nach der Lektüre nachvollziehbar.Stets kritisch und oft voller Humor berichtet er dank seines vorzüglichen Gedächtnisses detailliert von seinen Erlebnissen, immerhin als Zeitzeuge des 1. Weltkrieges, des Untergangs der Zarenherrschaft, des Terrors der Oktoberrevolution, der mehrmals wechselnden Besetzung Kiews durch die Bürgerkriegsparteien - der entscheidende Anstoß zu seiner Flucht nach Zagreb - und schließlich des 2. Weltkrieges.Diese Erinnerungen des großen russischen Wissenschaftlers und Lehrers sind ein faszinierendes Dokument der Geschichte der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts und der Geschichte der Bauingenieurwissenschaften!Herbert Ricken---------------------------------------------------------Stepan P. Timoshenko (1878-1972) gehört zu den herausragenden Vertretern der Technischen Mechanik des 20. Jahrhunderts. An seinen Wirkungsstätten in Russland, in der Ukraine, in Kroatien und in den USA hinterließ er nachhaltige Spuren. Dabei ist bemerkenswert, dass er in einmaliger Weise Theorie und Praxis miteinander verband, dazu hatte er auch stets den Zugang zum Experiment gesehen. Im Mittelpunkt des größten Teils seines Lebens stand die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Seine Mechanik-Lehrbücher haben dazu beigetragen, dass zahlreiche Generationen von Ingenieurstudenten dieses schwierige Lehrgebiet in einer besonders guten didaktischen Darstellungsweise kennen gelernt haben. Das Buch stellt in besonderer Weise das Leben eines Wissenschaftlers dar, der oftmals im Spannungsfeld der Politik einen erzwungenen Ortswechsel vornehmen musste. Die emotionale Seite wird dabei für den Leser sehr gut wiedergegeben. Der besondere Verdienst des Übersetzers besteht nicht nur darin, dass er in hervorragender Weise sich an den Text der russischen Originalausgabe (Paris 1963) gehalten hat. Albert Duda hat beim Leser durch zahlreiche Fußnoten zum besseren historischen Verständnis beigetragen, in der er erklärenden Text zu zahlreichen Ereignissen eingefügt hat. Das Buch ist daher allen Lesern, die mehr über die Mechanik, aber auch mehr über die Geschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts und des 20. Jahrhunderts wissen wollen, zu empfehlen. Es bleibt zu hoffen, dass die Memoiren Timoshenkos von einem breiten Fachpublikum gelesen werden - wie es der Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Mang, in seinem Vorwort wünscht.Holm Altenbach, Halle (Saale)(aus ZAMM 7/2006)---------------------------------------------------------
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