Die Autorin setzt sich mit dem Phänomen strafrechtlich relevanter Konflikte auseinander, die nicht entlang dafür vorgesehener staatlicher Verfahren, sondern innerhalb kulturell homogener Gruppen reguliert werden. Sie arbeitet die Grenzen zulässiger außergerichtlicher strafrechtlicher Konfliktregulierung heraus, erörtert die Praktiken interner Regulierung im Umfeld von Großfamilien mit türkisch-kurdischer und arabischer Provenienz und untersucht Reaktionsmöglichkeiten des Rechtsstaats.
»Extrajudicial Regulation of Conflicts Subject to Criminal Law«: The dissertation deals with the phenomenon of criminally relevant conflicts that are not regulated by state procedures but within culturally homogeneous groups. It identifies the limits of lawful extrajudicial criminal conflict regulation, analyses the practices of internal regulation in the environment of extended families of Turkish-Kurdish and Arab provenance and examines possible reactions of the state under the rule of law.
Marie von Brauchitsch
Paralleljustiz Friedensrichter Kollektivismus Schamkultur Täter-Opfer-Ausgleich Wahlfeststellung
»Von Brauchitsch kommt das Verdienst zu, sowohl auf der rechtstatsächlichen Seite wie auch auf der Seite des Strafrechts und des Strafverfahrensrechts einen Einblick in die Problemstellungen der außergerichtlichen Verarbeitung von strafrechtlich relevanten Konflikten zu geben. Die Darstellung am Beispiel des Vorgehens von Familienverbänden nahöstlicher Herkunft ist klug angelegt, um einerseits die Beschränkung der Vielfalt von ›Paralleljustiz‹ vorzunehmen und andererseits die Verfahrensweisen erheblicher Bevölkerungsgruppen zu untersuchen. Erfreulich ist die gedankliche und sprachliche Klarheit der von von Brauchitsch vorgelegten Untersuchung.« Dr. Immo Graf, in: Zeitschrift für das Gesamte Sicherheitsrecht, 1/2025
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