Der hier mit kurzem zeitlichen Abstand vorgelegte zweite Tagungsband einer Tagungsfolge des Trienter Instituts zeichnet die im ersten angelegten thematischen Linien weiter in die Zeit Kaiser Friedrichs II. und das Spätmittelalter, mit kurzen Ausblicken auch in die frühe Neuzeit.
Während die Ausbildung einer Lehre vom ius publicum der frühen Neuzeit, die strenge kategoriale Trennung des öffentlichen vom Privatrecht erst dem 19. Jahrhundert angehören, werden die Grundlagen für eine Rechtsbindung der öffentlichen Gewalt (des »Fürsten«) im Mittelalter gelegt. Nach den im ersten Band untersuchten Ansätzen zu einer Normierung und Verrechtlichung auf dem Reichstag von Roncaglia 1158 (Regaliendefinition, lex omnis iurisdictio) in der Begegnung von Kaiser Friedrich Barbarossa mit den vier Bologneser doctores, können nun in diesem Band die breitere Entfaltung der Themenbereiche in Rechtswissenschaft und politischer Praxis seit dem 13. Jahrhundert verfolgt werden. Dies geschieht immer im doppelten Blick einerseits auf die deutschen Verfassungsverhältnisse, andererseits auf das viel weiter entwickelte Oberitalien wie auch das Sizilische Reich, das mit dem Liber Augustalis von 1231 eines der maßgebenden europäischen Gesetzeswerke geschaffen hat. Schließlich lässt sich die Entwicklung weltlicher Staatlichkeit nicht ohne das Gegenüber der zur Höhe ihrer Macht kommenden Papstkirche zur weltlichen Gewalt erfassen, welche sich nun voll zur »Rechtskirche« herausbildet.
Thematische Linien sind, neben dem Jurisdiktions- und Gesetzgebungsanspruch der obersten Gewalt und seiner Durchsetzung, das Lehnrecht, die Friedenswahrung, die Wirkungsgeschichte des Konstanzer Friedens von 1183 und der Regaliendefinition von 1158. Dabei kommen sowohl die Entstehungsbedingungen neuer Rechtsprinzipien und deren produktive Missverständnisse in den Blick, wie auch die längerfristige Perspektive von Wirkung und Wechselwirkungen und die spezifisch rechtshistorische longue durée von Rechtstexten und Rechtsnormen.
Gerhard Dilcher
Frieden von Konstanz Friedrich Barbarossa Spätmittelalter